Elsner: "Behandlung im Vergleich zu Meinl merkwürdig"

Helmut Elsner
Helmut Elsner(c) APA (Herbert Pfarrhofer)
  • Drucken

Der inhaftierte ehemalige Bawag-Chef Elsner erklärt in einem Interview, warum er die Begründung zur Fortsetzung seiner U-Haft für "lächerlich" hält. Zudem ortet er viele "hinterfragenswürdige" Dinge in der Justiz.

Seit über zwei Jahren sitzt der ehemalige Bawag-Chef Helmut Elsner im Gefängnis. Nun teilt er in einem "WirtschaftsBlatt"-Interview aus. Seine Attacken gelten vor allem der Justiz, deren Unabhängigkeit er anzweifelt. Er spricht in seinem Fall von "skrupelloser diktatorischer Willkür".

"Der Umgang der Justiz ist merkwürdig"

Er zieht den Vergleich zu dem kürzlich für kurze Zeit in U-Haft genommenen Julius Meinl V.: "Der Umgang der Justiz im Vergleich zur Causa Meinl ist merkwürdig." Elsner stößt sich vor allem daran, dass Meinl nach nur wenigen Stunden aus der U-Haft entlassen wurde. Bei Meinl seien nicht einmal die Konten gesperrt worden, fügt Elsner im Interview hinzu.

Dem im Fall Bawag zuständigen Staatsanwalt Georg Krakow - der mittlerweile Kabinettschef der ehemaligen Bawag-Richterin und nunmehrigen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner ist - unterstellt Elsner, "er habe wahrscheinlich mit der laufend fortgesetzten U-Haft zu tun. Ihm sei mitgeteilt worden, dass die Leitung der Staatsanwaltschaft Wien den Kabinettschef "nicht desavouieren" wolle.

Die Begründungen zur Fortsetzung seiner eigenen U-Haft hält Elsner für "absolut lächerlich". Sie würden jeder Grundlage entbehren: "Wer will schon flüchten und dann unter Fluchtbedingungen sich in einem nicht sehr erstrebenswerten Drittland verstecken".

Elsner sieht Analogien zur NS-Zeit

Die Wurzeln der Probleme innerhalb der Justiz vermutet Elsner weit zurückliegend. "Man bekommt bei der Justiz überhaupt den Eindruck, dass viele Personen in der Justiz die Zeit nach Hitler noch nicht überwunden haben. Offenbar glaubt man, dass ein aufrechter Ostmärkler als Auslandsbezug ausschließlich den Obersalzberg haben würde", sagt Elsner dem "WirtschaftsBlatt".

Im Laufe des Interviews stellt Elsner weitere Mutmaßungen über mögliche Querverbindungen zwischen Bandion-Ortner, Krakow, Julius Meinl, Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser und dem im Bawag-Prozess mitangeklagten Wolfgang Flöttl an. Er spricht von "hinterfragenswürdigen" Dingen, ohne konkrete Details zu nennen.

Über den Bawag-Skandal selbst sagt Elsner: "Ich bin überzeugt, dass es überhaupt nicht einmal zu einem Verfahren gekommen wäre, wenn der ÖGB nicht Eigentümer der Bank gewesen wäre." Denn: In der Causa Bawag hätte es keine geschädigten Anleger gegeben und auch öffentliche Hilfe sei von der Bank keine in Anspruch genommen worden.

Der ehemalige Bawag-Chef Elsner wurde mit acht weiteren Personen angeklagt, die ehemalige Gewerkschaftsbank Bawag durch Untreue und Bilanzfälschung in einer Höhe von bis zu 1,44 Milliarden Euro geschädigt zu haben.

Elsner sitzt seit über zwei Jahren in U-Haft. Am 4. Juli 2008 wurde er wie alle Angeklagten schuldig gesprochen und zu 9,5 Jahren Haft sowie einer Zahlung von sechs Millionen Euro Schadenersatz verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

(Red.)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.