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„We Are Your Friends“: Die Leichtigkeit des DJ-Lebens

Eine Karriere als DJ soll Cole Carter (Zac Efron, mit Kopfhörern) in „We Are Your Friends“ aus dem langweiligen San Fernando Valley führen.(c) Constantin Film
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In „We Are Your Friends“ will Zac Efron als junger DJ durchstarten. Max Josephs Spielfilmerstling handelt weniger von Musik als vom Optimismus der Jugend.

Sie sind die Nachtarbeiter der Unterhaltungsindustrie: DJs. Wenn Rockbands ihre Konzerte längst beendet haben, fangen sie erst an, aufzulegen, die – vorrangig – Männer mit den einprägsamen Künstlernamen. Ein solcher Nachtarbeiter will der junge DJ Cole Carter (Jungstar Zac Efron) in „We Are Your Friends“ werden. Noch tritt der 23-Jährige am frühen Abend auf, wenn die Gäste gerade erst in den Club kommen. Eingeladen hat er sie selbst. Mit seinen drei besten Freunden (gespielt von Jonny Weston, Shiloh Fernandez, Alex Shaffer) wirbt er vor der Universität von Los Angeles für seinen Gig: „Es wird die beste Nacht eures Lebens!“ Regisseur Max Joseph schneidet den Satz aus vier Kehlen zusammen, als käme er aus einem Mund: Ja, die „Party Promoter“ haben dieses falsche Versprechen schon oft gegeben. So dringend wollen sie raus aus San Fernando Valley, das auf der falschen, weil ärmeren und langweiligen Seite der Hollywood Hills liegt.

Glaube an den amerikanischen Traum

„Alles, was du als DJ brauchst, ist ein Laptop, etwas Talent und ein Track“, glaubt Cole. Das ist freilich illusorisch. Um von Musik leben zu können, braucht es mehr. Einen Mentor beispielsweise, wie den bekannten, dem Alkohol zugeneigten DJ James (Wes Bentley). Dieser vertraut Cole nicht nur sein Studio an, sondern auch seine Assistentin und Freundin (Emily Ratajkowski, bekannt aus dem Musikvideo zu Robin Thickes Hit „Blurred Lines“). Es kommt, wie es kommen muss: Der Underdog Cole verliebt sich in die Stanford-Abbrecherin Sophie.

Max Josephs Spielfilmerstling ist nicht frei von Klischees, das Phänomen EDM (kurz für elektronische Tanzmusik) behandelt er nur oberflächlich. Doch es gelingt ihm, die Energie und den Optimismus der Jugend einzufangen, die noch an den amerikanischen Traum glaubt. Für Cole und seine Freunde ist die Zukunft voller Möglichkeiten. Allzu ernst nimmt sich der Film dabei nicht. „Bevor du 27 bist, bist du noch gar kein Mensch“, sagt James seinem Schützling.

Der Subplot, in dem die vier Freunde für einen Immobilienhai (Jon Bernthal) verschuldeten Häuslbauern ihren Besitz abschwatzen, bleibt bis zum dramatischen Finale dezent im Hintergrund. Zu vordergründig gerät zuweilen der visuelle Ehrgeiz des Regisseurs, der zuvor für MTV und die Werbung arbeitete. Die Euphorie der Tanzenden wird mit pulsierenden Herzen dargestellt, und die wichtigsten Botschaften flimmern in neonfarbenen Riesenlettern über die Leinwand. Am gelungensten ist die Bildsprache in der Szene, in der Cole in einer Galerie die psychedelische Droge PCP nimmt: Die Gemälde greifen auf den Körper des jungen Mannes über, bis er animiert erscheint.

Wie der Nachwuchs-DJ zu seinem eigenen Sound findet – er nimmt Alltagsklänge auf – ist banal. Aber gerade durch diese Leichtigkeit wirkt „We Are Your Friends“ anziehend. Ein verspäteter Sommerfilm.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2015)