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Iran: Vier Kandidaten zu Präsidentschaftswahl zugelassen

IRAN ELECTION AHMADINEJAD
(c) EPA (Abedin Taherkenareh)
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475 Kandidaten haben ihre Bewerbung eingereicht, vier hat der Wächterrat zugelassen. Als aussichtsreichster Herausforderer von Amtsinhaber Ahmadinejad gilt der ehemalige Regierungschef Moussavi.

 Im Iran kämpfen am 12. Juni vier Politiker um das Präsidentenamt. Neben Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad wurden Mir-Hossein Mussavi, Mehdi Karoubi und der weniger bekannte Mohsen Rezaie zur Präsidentschaftswahl zugelassen, wie Innenminister Sadegh Mahsuli am Mittwoch in Teheran mitteilte. Als aussichtsreichster Herausforderer Ahmadinejads gilt der ehemalige Regierungschef Moussavi.

Wie in den vergangenen drei Jahrzehnten ist wieder keine Frau unter den Präsidentschaftskandidaten vertreten. Bis zum Ende der Einschreibefrist am 9. Mai hatten 475 Kandidaten ihre Bewerbung eingereicht, unter ihnen 42 Frauen.

Vorhersagen über den Wahlausgang sind mangels Umfragen schwierig. Die vergangenen drei Präsidenten wurden jedoch alle für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

Moussavi Kandidat des Reform-Lagers

Drei der vier Kandidaten zählen zum konservativen Lager: neben Ahmadinejad sind dies Moussavi und der frühere Kommandant der Revolutionsgarden Rezaie. Moussavi gilt als gemäßigt konservativ. Er wird von großen Teilen des Reformerlagers im Iran unterstützt. Moussavi selbst bezeichnete sich als "einen den Grundsätzen der Revolution verbundenen Reformer". Die Sympathien des obersten geistlichen Führers im Iran, Ayatollah Ali Khamenei, gelten jedoch dem ultra-konservativen Ahmadinejad.

Zwar hält sich Khamenei mit offenen Wahlempfehlungen für einen Kandidaten zurück. Erst am Montag aber hatte er die Wähler in einer vom Fernsehen live übertragenen Ansprache aufgefordert, nicht für einen Kandidaten zu stimmen, der den Iran näher an den Westen heranführen könnte. "Es darf nicht geschehen, dass Kandidaten an die Macht kommen, die dem Feind nachgeben und die Ehre des iranischen Volks angreifen", sagte Khamenei. Bereits bei früheren Anlässen hatte Khamenei durchblicken lassen, dass er Ahmadinejad bevorzugt.

Neben Moussavi steht auch der frühere Parlamentspräsident und als Reformer geltende Karoubi für eine mögliche Annäherung an den Westen. Ahmadinejad dagegen schließt einen Dialog mit dem Westen zwar nicht aus, stellt ihn aber unter zahlreiche Vorbedingungen.

Für die iranische Präsidentschaftswahl vor vier Jahren hatte es 1014 Bewerbungen gegeben, zugelassen wurden vom Wächterrat damals lediglich acht Kandidaten. Laut iranischer Verfassung müssen Präsidentschaftskandidaten sowohl einen politischen als auch einen religiösen Hintergrund haben, iranische Staatsbürger sein, die Prinzipien der Islamischen Republik unterstützen sowie der Staatsreligion, dem schiitischen Islam, angehören.

Über dem Präsidenten steht der geistliche Führer des Iran. Nach der Verfassung der Islamischen Republik ist deren eigentliches Staatsoberhaupt aber der zwölfte Imam, ein Nachkomme des Propheten Mohammed. Der Ende des 9. Jahrhunderts im heutigen Irak geborene Mohammed al-Mahdi wurde nach schiitischer Glaubenslehre im jugendlichen Alter in die Verborgenheit entrückt, um einst als Erlöser wiederzukehren.

(Ag.)