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Schulterschluss der Ortschefs

(c) APA/ROBERT JAEGER
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Das Europäische Forum lädt alle Bürgermeister zu einem Treffen, um sich in der Frage der Unterbringung von Flüchtlingen zu vernetzen.

Alpbach. Bürgermeister, die in ihren Gemeinden seit Jahren Asylwerber beherbergen, und solche, die sich bisher dagegen wehrten: Das Europäische Forum will beide am Freitag zusammenbringen, um Austausch und Vernetzung zu ermöglichen. „Wir haben alle Bürgermeister eingeladen, keiner muss fürchten, sich exponieren zu müssen“, sagt Forumspräsident Franz Fischler. Denn es gilt, keine Vorträge zu halten, sondern sich an einen Tisch zu setzen und zu reden. Als Auskunftspersonen stehen den Ortschefs, bisher haben 40 zugesagt, auch Experten zur Verfügung. Einer davon ist Asylkoordinator Christian Konrad.

Letzterer sei bekannt dafür, „dass er die Ärmel aufstülpt und sich bei kniffligen Aufgaben nicht davonstiehlt“, sagt Fischler. Zudem habe der Ex-Raiffeisen-Generalanwalt „ein österreichweites Netzwerk und ist auch im sozialdemokratischen Lager eine geachtete Persönlichkeit“. Nur Verbindungen zur FPÖ fehlen ihm, „von denen ist aber ohnehin am wenigsten zu erwarten“, so Fischler. Und: „Wir machen das nicht, um dem Bund auf die Sprünge zu helfen.“ Zwar hätte dieser „auch aktiv werden können“, doch sei eine neutrale Atmosphäre, wie man sie in Alpbach vorfinde, wohl vorteilhafter: „Keiner soll hier politisches Kleingeld schlagen.“ Geschäftsführer Philipp Narval ergänzt: „Wir warten nicht mehr auf das Innenministerium. Das Treffen organisieren Ehrenamtliche und Forumsmitarbeiter, es kostet uns 15.000 bis 20.000 Euro.“

Mit ein Impulsgeber dafür war die Gemeinde Reith im Alpbachtal, wo derzeit an die 70 Flüchtlinge leben. Sie würden auch in Alpbach mithelfen, sagt Fischler: „Alles passiert ohne großes Aufsehen.“ Ähnliches berichtet Bürgermeister Peter Heger aus Horitschon. Hier sind seit über 26 Jahren Asylwerber beherbergt, aktuell sind es 104. „Wir Burgenländer sind es gewohnt zu helfen“, sagt er. Nun aber seien andere am Zug: „Es ist inakzeptabel, dass manche Gemeinden niemanden aufnehmen wollen.“ Isabella Blaha, Bürgermeisterin der Tiroler Gemeinde Scharnitz, pocht ebenfalls darauf, offen auf Asylwerber zuzugehen: „Bei uns leben 37 Flüchtlinge, sie helfen bei der Müllabfuhr oder der Gartenpflege.“ Zu viele werden dürften es aber nicht, warnt sie, dann käme es zur Ghettoisierung.

„Es gibt in Österreich genug Räumlichkeiten zur Unterbringung“, kommentiert Forumschef Fischler die aktuelle Quartiersuche. „Das ist eine Frage der Organisation und des Willens der Zuständigen.“ Daher sei es auch gerechtfertigt, dass die Bundesregierung europäische Solidarität einfordere. Doch sei es „schon auch so, dass man damit teilweise das eigene Unvermögen kaschiert“. (hell)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2015)