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Große Ideen auf steilen Wegen

Tomáš Sedláček
Tomáš Sedláček(c) EPA (HERBERT NEUBAUER)

Alpbach in Motion. Wie 40 Jungmanager Europas Ökonomie steuern würden – und das auf recht unkonventionelle Art erarbeiten.

Wie lässt sich Europas Wirtschaftssystem besser gestalten? An welchen Schrauben würden junge Führungskräfte drehen, was sollte die Politik tun? Das diskutieren dieser Tage 40 aufstrebende Manager im Rahmen von „Alpbach in Motion“. Und das auf unkonventionellen Wegen: Diskutiert wird beim Wandern, vor jeder Tour gibt es Themen und Aufgaben, auf der Hütte präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse. Der gesamte Prozess, so erklärt es Alexis Eremia vom Organisationsteam, ist als eine Art Reise aufgebaut, aufgezeichnet ist diese zweitägige Tour auf einem Plakat an der Wand. „Wir spielen da mit Chaos und Ordnung. Ein Teilnehmer, eine militärische Führungskraft, hat es mit einer Nato-Mission verglichen, es startet streng geplant und strukturiert, endet in totalem Chaos“, sagt sie und lacht.

Denn, trotz der großen Themen läuft es locker. Zum Beispiel wenn der tschechische Ökonom Tomáš Sedláček, der der Gruppe zur Seite steht, vor den Präsentationen am Abend wieder zur Gruppe stößt und erst einmal – außer Atem und gar nicht in Manier eines großen Wirtschafts-Kapazunders – im Sportgewand von den Ausflügen mit seinem elektrischen Einrad erzählt und Videos wilder Touren auf Wanderwegen zeigt. Trotz des lockeren Umgangs, gearbeitet werde hart, erzählen die Teilnehmer. Ziel sei, so sagt Alexis Eremia, vom „wir oder sie sollten . . .“ zu „ich kann das so oder so machen“ zu kommen. Und in der kurzen Zeit eine Art Community zu schaffen.

Das ist bei so verschiedenen Teilnehmern nicht einfach: Die 40 Teilnehmer, alle etwa um die 30, kommen aus 16 Ländern. Eine Greenpeace-Aktivistin trifft da den jungen Medienmanager, den rumänischen Logistiker, der in Singapur arbeitet oder den Berliner, der ein Social-Business-Start-up gegründet hat. Viele Kontroversen, heftige Diskussionen, und dann, so erzählen die Teilnehmer, doch Konsens in den Grundfragen: „Was wir wollen, ist im Wesentlichen dasselbe: Mehr Europa, mehr europäische Identität, mehr Zusammenarbeit“, sagt Eremia. „Mehr internationalen Sex!“, wirft einer ein, lacht, weil, es gehe ja ums gute Zusammenleben. „Nur der Weg, wie wir dorthin kommen, dafür gibt es ziemlich unterschiedliche Ansätze.“ Einen präsentiert eine Gruppe am Abend des zweiten Tages. Eine Online-Plattform, auf der jeder seine „European Story“ erzählen kann – für mehr Dialog, mehr Vertrauen und eine gemeinsame Identität.
Und was sagt Ökonom Tomáš Sedláček zu diesen Projekten? „Üblicherweise“, sagt ein Teilnehmer, „zerreißt er uns ziemlich und fordert uns heraus“, sagt er. „Aber auf seine lustige, verrückte Art.“ (cim)