Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Ein Bischof als Wahlkämpfer

Kardinal Schönborn hat sich deutlich zum FPÖ-Wahlkampf geäußert. Ob dies besonders klug war, ist fraglich.

Der freiheitliche Parteichef Strache wird sich ins Fäustchen lachen. Jetzt ist es ihm und seinen Getreuen gelungen, mit einem schwachsinnigen EU-Wahlkampfslogan und einem Kreuzritterauftritt bei einer Demonstration den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Christoph Schönborn, zu provozieren. Der Wiener Erzbischof wollte sich bei seiner Predigt zu Christi Himmelfahrt nicht mehr verschweigen und hat den Plakatspruch „Abendland in Christenhand“ und die Vereinnahmung des Kreuzes für primitive Wiener Wahlkampfzwecke kritisiert. Der FPÖ-Chef hat förmlich um eine Reaktion der katholischen Kirchenführung gebettelt. Strache wird die Antwort als Triebfeder für seine Wählerklientel in einem an sich müden Wahlkampf gerne annehmen.

Dass „Die Presse“ Schönborns Worte dennoch prominent berichtet, ist kein Widerspruch. Schließlich kommt eine so deutliche Zurechtweisung höchst selten vor. Für den Kardinal ist es ohnehin eine heikle Gratwanderung. Schweigt er, wird ihm das als Feigheit ausgelegt, wie es rund um den Fall der Grazer FPÖ-Politikerin Winter 2008 ja passiert ist. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob sich ein Bischof quasi von der Kanzel aus in den Wahlkampf begeben soll. Das heißt nicht, dass man Straches Aktionen tatenlos zusehen soll. Die beste Antwort wäre aber, ihm etwa durch eine vernünftige, nichts beschönigende Integrations- und Ausländerpolitik den Boden zu entziehen


karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2009)