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Lufthansa: Streikdrohung wegen Wien-Auslagerung

Streik der Lufthansa Piloten am Flughafen Frankfurt Hessen Deutschland Anzeigetafel mit gestriche
Streik der Lufthansa Piloten am Flughafen Frankfurt Hessen Deutschland Anzeigetafel mit gestriche(c) imago/Ralph Peters (imago stock&people)
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Die Lufthansa-Piloten protestieren dagegen, dass die Billig-Tochter Eurowings ihren Sitz in Österreich haben und geringer entlohnte Crews fliegen soll. Streiks seien daher jederzeit möglich, so die Gewerkschaft.

Wien. In Deutschland, Österreich oder der Schweiz gebe es noch viel Potenzial für Low-Cost-Fluglinien. „Und bevor wir das den englischen Konkurrenten überlassen, machen wir es lieber selbst“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch beim Luftfahrtsymposium in Wien. Wie berichtet will die Lufthansa daher ihre Billig-Tochter Germanwings in Eurowings umbenennen und deutlich vergrößern.

Über 100 Flugzeuge soll Eurowings bereits zum Start diesen Herbst verfügen. Die Produktionskosten sollen dabei um 30 bis 40 Prozent niedriger ausfallen als bei der Muttergesellschaft. Möglich werden soll das unter anderem auch dadurch, dass etwa jene zwei Eurowings-Flugzeuge, die in Wien stationiert sind, von – im Verhältnis zur Lufthansa günstigeren – AUA-Crews betrieben werden. Auch das europäische Headquarter von Eurowings soll in Wien angesiedelt werden.

 

Kommt der 14. Streik?

Die niedrigeren Löhne bei Eurowings und die Verlegung der Zentrale nach Österreich sorgen nun bei den Lufthansa-Piloten für gehörigen Unmut. Nachdem Anfang der Woche der jüngste Einigungsversuch im seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt neuerlich gescheitert ist, drohen die Lufthansa-Piloten erneut mit Streiks. „Es muss ab sofort jederzeit damit gerechnet werden“, so ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Cockpit am Mittwoch.

Spohr zeigte am Mittwoch Unverständnis für die neue Drohung seiner Piloten. „Sie sagen, es solle Low-Cost-Flugbetrieb mit High-Cost-Gehältern geben. Da sage ich jedoch, dass das nicht geht.“ Vielfach gehe es dabei auch gar nicht um die direkten Gehälter, sondern etwa Kosten für die betriebliche Altersversorgung. „7,5 Prozent unserer gesamten Lohnkosten entfallen bereits auf die Altersversorgung.“ Dies seien jedoch Privilegien, „die kein Kunde mehr bezahlt“. Die Position der Lufthansa-Führung werde sich auch nach einem 14. Streik (13 gab es im Tarifkonflikt bereits) nicht ändern. Aber nicht nur die Gehälter sorgen für Kosten, so Spohr. Auch die „Luftstraßen, die unsere Großväter erdacht haben“, würden in Europa zu Umwegen von zehn Prozent führen. Hier würde eine Vereinheitlichung viel Geld sparen. (jaz/Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2015)