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Nudging: Wen der Staat nun stupsen will

Harald Mahrer(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Harald Mahrers Pilotprojekte starten: ein Leistungsvergleich für Studenten und Motivations-Briefe für Bezieherinnen von Kinderbetreuungsgeld.

Wien. Wie motiviert man Frauen (oder Männer), die in Karenz sind, dazu, sich frühzeitig über ihren Wiedereinstieg Gedanken zu machen? Immerhin weiß man, dass die Länge der Karenzpause hierzulande erhebliche Auswirkung auf die Einkommensentwicklung hat. Ab Oktober werden deshalb Info-Briefe an die Bezieherinnen von Kinderbetreuung geschickt.

Sie informieren zirka sechs Monate vor Ablauf der Karenz einerseits über rechtliche Regeln (z.B., dass vier Wochen nach Karenzablauf der Kündigungs- und Entlassungsschutz endet) und andererseits über die Angebote des AMS zum Wiedereinstieg. Diese Kombination ist neu: Aus Datenschutzgründen konnte sich das AMS bisher nämlich nicht direkt an die Betroffenen wenden – die Adressen hat nur das Familienministerium. Dieses legt die AMS-Informationen nun künftig seinen eigenen Briefen bei. Klingt unspektakulär, ist aber womöglich effektiv. Zumindest hofft das Eva Egger, Vize-Leiterin der Abteilung für Arbeitsmarktpolitik für Frauen beim AMS. Der Wissensstand von Frauen über die beruflichen Auswirkungen der Karenz sei sehr unterschiedlich, so Egger. Manche würden sich bei genauerer Information vielleicht die Länge der Pause noch einmal überlegen.

Das Projekt ist eines von mehreren, mit denen „Nudging“ (zu deutsch: Stupsen) in Österreich konkretisiert wird, wobei das hierzulande unter dem Titel „Motivierender Staat“ läuft. Die Koordination liegt bei Harald Mahrer, Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (ÖVP). Derzeit machen vier (ÖVP-)Ministerien mit (Familien, Finanzen, Wirtschaft/Wissenschaft, Umwelt/Landwirtschaft) mit. Ein Gesamtbudget gibt es nicht, die Finanzierung wird in den einzelnen Ressorts abgewickelt. Parallel werden die Maßnahmen evaluiert. Die Kosten dafür liegen „im niedrigen vierstelligen Bereich“.

In Mahrers Heimat-Ressort starten ebenfalls zwei Maßnahmen. Erstens: ein Leistungsvergleich für Studenten, der wohl indirekt anspornen soll. Alle Studenten werden ab Semesterende – konkret erstmals im Sommersemester 2016 – schriftlich informiert, wie sie im Vergleich zum Durchschnitt studieren, sprich die ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System)-Punkte des vergangenen Semesters werden mit denen der Kommilitonen verglichen. Das andere Projekt betrifft die Beantragung des Ingenieurtitels: Bisher musste der Antrag (es sind zirka 5000 pro Jahr) schriftlich erfolgen, das kostete 110 Euro. Im Laufe des Jahres 2016 sollen die Anträge digital und kostenlos gestellt werden können. (uw)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2015)