Kritik an Tschechien: Polizei nummerierte Flüchtlinge mit Filzstift

Eine Polizistin schreibt mit Filzstift Nummern auf die Hand eines Flüchtlings.
Eine Polizistin schreibt mit Filzstift Nummern auf die Hand eines Flüchtlings.REUTERS

Im Internet herrscht Empörung, dass Tschechiens Polizei, Flüchtlinge mit Filzstiften nummeriert. Sie hindert Syrer nicht länger an Weiterfahrt nach Deutschland.

"Wie die Nazis in den Konzentrationslagern", empörte sich am Mittwoch ein Nutzer der Kurznachrichtenplattform Twitter. Tschechische Medien hatten ein Foto veröffentlicht, wie eine Polizistin Zahlen mit einem blauen Stift auf die Hände von Kindern schrieb. Die Aufnahme entstand den Angaben zufolge in der Nacht zum Dienstag am Bahnhof Breclav im Südosten an der Grenze zu Österreich.

Die Polizei hatte 214 überwiegend syrische Flüchtlinge aufgegriffen, die in Budapest Züge in Richtung Deutschland gestürmt hatten. Eine Sprecherin der Fremdenpolizei begründete die Nummerierung mit der großen Zahl an Kindern unter den Flüchtlingen - insgesamt waren es 61. Man sei bemüht gewesen, Eltern und ihre Kinder bei der Aufteilung auf Unterkünfte zusammenzuhalten, bevor sie in Erstaufnahmelager gebracht werden.

Jüdische Gemeinde: Vorgehen inakzeptabel

Die Markierung er Flüchtlinge reif weit über die Landesgrenzen hinaus Empörung hervor. Nicht nur tschechische sondern auch polnische Internetnutzer machten ihrem Ärger Luft. Auch die Jüdische Gemeinde in Rom bezeichnete es als völlig inakzeptabel, dass Migranten mit Ziffern durchnummeriert würden. "Das ist ein Bild, das wir nicht ertragen können, das die Vorgehensweise am Eingang der Nazi-Vernichtungslager in Erinnerung ruft, als Millionen von Männern, Frauen und Kindern wie Tiere mit einer Nummer markiert wurden, um dann zum Sterben geschickt zu werden."

Manche Internet-Nutzer verteidigten das Vorgehen der Behörden. Es gebe keine andere Möglichkeit, den Überblick zu behalten, schrieb einer von ihnen. Auch in anderen Ländern wie Griechenland und der Schweiz würden Flüchtlinge mit einer Registrierungsnummer versehen, meinte ein anderer.

Tschechien lässt Flüchtlinge nach Deutschland

Tschechien hindert indes syrische Flüchtlinge nicht mehr an der Weiterfahrt nach Deutschland. Die tschechische Fremdenpolizei bringe aufgegriffene Syrer, sofern sie in Ungarn Asyl beantragt haben, ab sofort nicht mehr in Abschiebelager, sagte eine Polizeisprecherin der Agentur CTK. "Wir lassen sie mit der Maßgabe frei, innerhalb von sieben Tagen das Land zu verlassen, und begleiten sie zum Bahnhof", erläuterte sie. Alternativ werde den Flüchtlingen angeboten, in Tschechien Asyl zu beantragen. Damit reagiere Prag darauf, dass Ungarn die Flüchtlinge nicht länger zurücknehme, hieß es zur Begründung.

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(APA/dpa)