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Das „Yes-she-can"-Topmodel

Sara Nuru
(c) EPA (Felix Heyder)
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Heidi Klum hat jetzt auch eine erste Schwarze gewählt: als „Germany's next Topmodel". Ansonsten glänzte auch das Finale mit grammatikalischen Fragwürdigkeiten - und ein bisschen nackter Haut.

„Hast du Bommel?" fragte Heidi Klum eine der Finalistinnen bei „Germany's next Topmodel" am Donnerstag Abend - und auch des Bundesdeutschen nicht mächtige Zuseher wussten, da hat's jetzt was. Bammel hat sie natürlich gemeint - nur Angst kann die feinnervigste Kandidatin nicht mehr gehabt haben, die penetrante Verzögerungstaktik der Finalshow lähmte jegliche Gefühlsregung und machte auch das Live-Publikum schon reichlich grantig. Gegen Ende wurde Heidi Klum sogar ausgebuht, als sie nochmal eine Werbepause ankündigte.

Aber Heidi Klum war nicht die einzige, die den Kandidatinnen einreden wollte, dass sie nervös sein mussten. Die Backstagemoderatorin kulminierte das Thema im unvergesslichen Satz: „Da liegt jetzt schon die ein oder andere Schweißdrüse blank".Und selbst die Familien der Kandidaten mussten mitmachen: Zu den äthiopischen Eltern von Sara sagte Jurymitglied Rolf(ö) mithin den Satz des Abends: „Die Nerven sind gespannt wie Bratseile".

Von Anzeigenkrise keine Rede beim Finale von „Germany's next Topmodel" - da wurde die Werbung eher ab und zu von der Sendung unterbrochen. Und die war auch unspektakulär genug. Man muss sogar sagen, dank der Nordpol-Ausstrahlung von Heidi Klum war die „Cremissimo"-Eiswerbung berührender als die Show. Die 20 besten Models zogen in Unterwäsche mit Hemd drüber ein - das passte, mussten die Mädchen doch in der vierten Staffel viel öfter als sonst ihre Shootings in wenig Kleidung absolvieren. Von irgendwoher müssen ja schließlich die besten Quoten seit Bestehen der Show kommen.

Dass die Mannequin-Suche nicht gerade eine Bildungssendung ist, ist ja klar. Aber der Prozentsatz an hirnlosem Geschwätz übertrifft hier eindeutig Vergleichbares. Bedenklich ist, dass man vieles bald schon als selbstverständlich hinnimmt. Das beginnt damit, dass jedes Model mindestens einmal pro Folge hohle Phrasen wie „Ich gebe alles" sagen muss. Es geht weiter bei Jury-Mitglied Peyman Amin, der einer Finalistin empfohlen hat, die eben präsentierte Unterwäsche bei Ebay zu verkaufen, da würde sie nämlich locker eine Million Euro einnehmen. Und es endet bei Heidi Grammatik-Queen Klum. Roger Willemsen hat in einem „taz"-Artikel die „Leere in ihrem Kopf wabern" gehört. Oder wie Heidi sagen würde: wabern hören. Der traurige Höhepunkt dieser Staffel war ihre Version der Konjugation des Verbs „leiden": „Wir haben gesehen wie du geleidet hast." Und das sagte sie ausgerechnet, nachdem sie der vermeintlich doofsten Kandidatin erklärt hatte, dass sie zu wenig Allgemeinbildung hatte. Die war aber erst 16. Und hatte vielleicht einfach zu oft Heidi reden gehört. Oder: reden hören.

Ach ja. Gewonnen hat den Contest Sara Nuru, die erste schwarze Gewinnerin dieser Show - die Plakate ihrer Familie mit dem geborgten Slogan „Yes she can" deuteten das schon zu Beginn an. Heidi Klums Show ist nicht originell - sie folgt Trends. Und deswegen hat Rolf(ö), der mit seinem konsequent sinnfreien Spruch doch irgendwie recht: „Heute ist heute - und morgen ist ein anderer Tag."