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Bank Austria zieht es in Fernen Osten

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Seit vergangenem Herbst bietet die Bank in China, Vietnam, Singapur oder Japan Finanzdienstleistungen an. Damit soll gegenüber Konkurrenten ein Wettbewerbsvorteil erzielt werden.

Wien. In den vergangenen Monaten litt die chinesische Wirtschaft zwar unter einer Abkühlung der Konjunktur, die vorige Woche auch in einem veritablen Börsencrash kulminierte. Dennoch sind sich alle Ökonomen einig: China wird auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einer der Wachstumstreiber der Welt sein. Kein Wunder also, dass in den vergangenen Jahren auch viele heimische Unternehmen in China Dependancen und Werke eröffnet haben, um entweder Waren nach Europa zu transportieren oder den immer größer werdenden asiatischen Markt zu bedienen.

Wenn diese Unternehmen jedoch einen Partner für die zum Geschäft gehörenden Finanzen gesucht haben, gab es bisher kein österreichisches Angebot, sagt der für das Firmenkunden zuständige Bank-Austria-Vorstand, Helmut Bernkopf, im Gespräch mit der „Presse“. „Viele österreichische Firmen haben in der Vergangenheit so eine Betreuung gesucht und sind schlussendlich bei internationalen Großbanken gelandet.“

Das soll sich nach Wunsch der Bank Austria in Zukunft ändern. Denn seit vergangenem Herbst bietet das Institut an vier Standorten der italienischen Mutter Unicredit in China sowie in Vietnam, Singapur, Indien, Japan und Südkorea (je ein Standort) sogenannte Austrian Desks an.

 

Deutsche Betreuung in China

Dort werden Firmenkunden von deutschsprechenden Mitarbeitern betreut und können ihre Aktivitäten etwa in lokaler Währung finanzieren oder das Cash-Management und die Zahlungsabwicklung vor Ort durchführen lassen. Auch sogenannte Akkreditivgeschäfte (Absicherung von Exporten durch die Zwischenschaltung von zwei Banken) werden nun angeboten – wenn etwa ein Kunde Geschäfte zwischen China und Indonesien abwickeln will.

„Wir haben zwar bereits seit 1985 Strukturen in China“, sagt Bernkopf. Seit dem vergangenen Herbst wurde das Angebot jedoch massiv ausgebaut. So stieg auch die Zahl der Mitarbeiter, die vor Ort tätig sind, auf rund 260. Möglich wurde das aber nur durch die Zusammenarbeit mit der Konzernmutter UniCredit und der -schwester Hypovereinsbank.

„Allein könnten wir das aus Kostengründen einfach nicht machen. Nur für österreichische Kunden würde sich das nicht rechnen. Im Verbund mit deutschen und italienischen Kunden geht es sich jedoch aus.“ Die Filialen werden dabei entweder von der UniCredit-Zentrale in Mailand oder von München (HVB) aus betreut, so Bernkopf. Für den Austrian Desk sei aber Wien zuständig.
Die Bedeutung von China und den angrenzenden Ländern in Ost- und Südostasien sei für Österreichs Wirtschaft bereits heute sehr groß. Mit 1,3 Mrd. Euro betreffe ein Drittel aller Exportfinanzierungen bereits diese Region. Und die Bank rechnet in den kommenden Jahren mit einer weiteren Zunahme.

600 heimische Firmen sind schon in China – dem angepeilten Hauptmarkt der Bank Austria – mit eigenen Werken oder Verkaufsniederlassungen tätig. Mit 100 Unternehmen davon will das Finanzinstitut in den nächsten zwei Jahren ins Geschäft kommen. „80 bis 90 Prozent haben bereits eine Bankverbindung mit uns. Nicht immer sind wir dabei bisher aber die Hauptbank.“ Langfristig könne man durch das zusätzliche Angebot in Asien aber natürlich auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den heimischen Konkurrenten erzielen, so die Hoffnung der Bank Austria.

 

10.000 Jobs gefährdet?

Doch während in Asien ausgebaut wird, soll in Europa eingespart werden. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen 10.000 Jobs in der gesamten Unicredit bei dem für Herbst erwarteten Restrukturierungsplan wegfallen. Darunter auch Jobs in Wien. Von der Unicredit gab es am Donnerstag keine Stellungnahme dazu. Bank Austria-Chef Willibald Cernko meinte zuletzt, dass er schon vor vier Jahren gemeint habe, dass es bei den Filialen eine Reduktion um ein Drittel geben müsse.

Auf einen Blick

Die Bank Austria bietet seit vergangenem Herbst österreichischen Firmenkunden ihre Dienstleistungen in China, Vietnam oder Südkorea über eigene Büros vor Ort an. Möglich wurde das durch sogenannte Austrian Desks im Rahmen einer Asien-Offensive der Konzernmutter UniCredit. Den Kunden bringt das zusätzliche Möglichkeiten und deutschsprachige Betreuung in Asien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2015)