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Vom Diwan auf die Couch

(c) AP (Rich Pedroncelli)
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Surfer reisen leidenschaftlich gern, logieren bevorzugt in fremden Privatbetten. Und fördern so den interkulturellen Austausch.

Online im Voraus das Hotel, die Pension suchen und online buchen. So verreisen viele. ­Andere buchen bei einem Veranstalter ­einen Pauschalaufenthalt. Couchsurfer sind anders: Sie quartieren sich privat ein, schlafen auf dem Sofa, im Notbett oder auf der Gästematratze eines Einheimischen – und zwar kostenlos.
Couchsurfing ist ein weltweites Netzwerk von Reiselustigen, dessen Mitglieder den direkten Kontakt zu Einheimischen schätzen. „Es wird leider immer wieder als ‚Gratisübernachtungsmöglichkeit‘ und sogar als ‚Weg zum Gratisreisen‘ angepriesen, was aber sicher nicht das Hauptmotiv ist“, erklärt eine habituelle Couchsurferin.
Den Betreibern zufolge agiert das Netzwerk als Non-Profit-Organisation und hat mittlerweile über eine Million Mitglieder, die über die ganze Welt verstreut sind. Von Albanien bis Zambia, von Vanuatu bis Bahrain – in fast allen Staaten der Welt „surfen“ Reisende von Couch zu Couch. Ein Großteil, rund 80 Prozent der Mitglieder, lebt in Europa und Nordamerika. Bei den Städten, in denen die meisten Couchsurfer wohnen, liegt Wien mit fast 9000 Mitgliedern aktuell auf Platz fünf hinter Paris, London, Berlin und Montreal. Österreichweit haben sich über 18.500 Reise­fans eingeloggt, davon sind rund 11.000 Profile noch aktiv.
Couchsurfing gibt es offiziell seit Jänner 2004, die Idee wurde aber schon Jahre zuvor geboren: Der heute 31-jährige US-Amerikaner Casey Larkin Fenton wollte ein verlängertes Wochenende in Island verbringen. Den Flug Boston–Reykjavik hatte er gebucht, doch wo sollte er sich einquartieren?
Per Massenmail sandte Fenton eine Anfrage nach einer privaten Unterkunft an rund 1500 Studenten der Universität Reykjavik. „Innerhalb von 24 Stunden antworteten mir zwischen 50 und
100 Leute, die mich einluden, bei ihnen zu übernachten.“
Jetzt hatte Fenton noch ein Problem: „Bei wem sollte ich übernachten?“, schreibt Casey in seinem Couchsurfing-Profil. Im Startjahr 2004 trugen sich laut Couchsurfing-Statistik noch durchschnittlich 150 Surfer pro Woche ein. Die Zahlen steigerten sich kontinuierlich, heute kommen pro Woche zwischen 8000 und 14.000 neue Mitglieder dazu. Das Durchschnittsalter der Couchsurfer beträgt 27 Jahre. Auf der Plattform sind mehr als 1200 Sprachen eingetragen, wobei Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch die häufigsten sind. Man muss übrigens nicht selbst seine Couch zur Verfügung stellen, um Mitglied zu werden und in den Genuss von Gastgebern auf der ganzen Welt zu kommen. Ein gutes Drittel der Mitglieder hat zwar ein Extrasofa für Gäste, andere laden aber auch nur zum Kaffee ein. Und die Sicherheit? Dafür sorgt ein Bewertungssystem für Mitglieder.