Während am Wörthersee die GTI-Szene Gas gibt, blüht im Ausseerland zum 50. Mal das Narzissenfest.
BAD AUSSEE/KLAGENFURT. Schlohweißer Sonnenhut mit ausladender Krempe, eine Krawatte im optimalsten GTI-Türkis, ein bemüht lockeres Händeklatschen im Stampfrhythmus der Livemusik von DJ Ötzi: So sieht es aus, wenn VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech dem treuesten Stammpublikum seiner Autoschmiede die Aufwartung macht.
Piech beehrte an der Seite von Konzernchef Martin Winterkorn am Donnerstag die selbstverliebten PS-Aficcionados und Tuning-Freaks des GTI-Treffens rund um den Wörthersee. Bereits zum 28. Mal ist der Kärntner See Treffpunkt der trinkfesten und partysüchtigen Autobastler aus halb Europa. Aber erste Spuren einer Traditionspatina und die aktuelle Wirtschaftskrise haben die Besucherzahlen weiter schrumpfen lassen. 130.000 sollen es bis zum Ende der Veranstaltung am Sonntag sein – um rund 30 Prozent weniger als vergangenes Jahr. Es sei „deutlich ruhiger“ als in den vorangegangen Jahren, bestätigt Landespolizeikommandant Wolfgang Rauchegger in einer ersten Zwischenbilanz am Freitag.
Die Zahl der von den 300 Polizisten erwischten Alkolenker ging um ein Drittel zurück. Dennoch machen manche Wirte dank „Gummi, Gummi“-Szene 50 bis 60 Prozent ihres Jahresumsatzes an diesem verlängerten Wochenende, sagt Adolf Stark, Bürgermeister von Maria Wörth, wo mit Reifnitz einer der Hotspots des Mehrtagesevents liegt. So bleibt es für die Region ein wichtiges touristisches Aufputschmittel in der verschlafenen Vorsaison. Der Umsatz soll bei über zehn Millionen Euro liegen.
30.000 Blüten pro Figur
Finanziell und in Sachen Besucheransturm etwas kleinere Brötchen bäckt man im obersteirischen Salzkammergut. Aber auch hier sorgt ein Frühlingsfest seit Jahren für eine Wertschöpfung, die über der Million-Euro-Grenze liegt: das Narzissenfest.
Zur diesjährigen Jubiläumsveranstaltung – es ist das 50. Fest – werden knapp 30.000 Besucher im obersteirischen Ausseerland erwartet. Bei 80 Einzelveranstaltungen steht die weiß blühende „Dichter-Narzisse“ im Mittelpunkt. Höhepunkt sind der Auto- und Bootskorso am Sonntag. 64 aufwendig gestaltete Figuren werden daran teilnehmen. Es sind teilweise einfamilienhaushohe Nachbildungen von populären Comic- oder Fantasiefiguren, die in Handarbeit gebastelt werden.
Schon am Freitag werden die Wiesen im Ausseerland von Pflückteams abgegrast. In der Nacht auf Sonntag erfolgt in Garagen und Hauseinfahrten die Fertigstellung. In ein engmaschiges Drahtgeflecht werden drei bis vier Blüten pro Quadratzentimeter gesteckt. Pro Figur kommt man so auf bis zu 30.000 Blüten, die am Sonntag an der neuen Narzissenkönigin vorbeidefilieren.
Bitter: Die am Donnerstag gekürte Blumen-Queen kommt auch dieses Jahr nicht aus dem steirischen Ausseerland, sondern aus Oberösterreich. Das ist so, als würde ein aufgemotzter Opel dem diesjährigen „Wörthersee-GTI“-Sondermodell (210 PS, 240km/h Spitze) von VW die Show stehlen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2009)