Kaffee

15 Dollar für drei Häferl lauwarmen Kaffee ohne Milch und Zucker: Starbucks macht's möglich.

Wann genau haben die Menschen begonnen, über Kaffee genauso überkandidelt zu reden wie über Wein? Wir wissen es nicht, sie tun es jedenfalls, und seither hat man auch in Österreich jene Geschöpfe auf der anderen Seite der Verkaufstheke amerikanoider Coffeeshops, die einem den Espresso aus der Maschine in den Papierbecher drücken, „Barista“ zu nennen.

Ein Besuch in der Stadt Seattle, aus der 1971 der US-Kaffeekonzern Starbucks entsprungen ist, hat uns vergangene Woche eröffnet, wie weit dieses Phänomen sich noch fortspinnen können wird. Denn dort gibt es seit Dezember einen Ort namens „Starbucks Reserve Roastery & Tasting Room“ zu besuchen. Das ist eine große Starbucks-Filiale, in der man zuschauen kann, wie Kaffee geröstet wird, der dann über Messingröhren in durchsichtige Behälter befördert wird. Schon beim Betreten der Örtlichkeit bekommt der Gast von einem Angestellten ein „Tasting Menu“ unter die Nase gehalten. Aus dieser Karte lassen sich wahlweise drei aus verschiedenen Weltgegenden stammende oder nach verschiedenen Methoden gekochte Sorten zu einem Degustationsmenü zusammenstellen.

Fünf Minuten und 15 Dollar später erscheint ein Tablett mit drei Kännchen und einem Häferl. Den Anweisungen des Bediensteten folgend schlürften wir die drei Gebräue laut schmatzend, doch so sehr wir uns auch mühten, die verhießenen Aromen von Tamarinden, gerösteten Zwetschken oder Honigtau (!) erreichten unsere Gaumen nicht. Schwarzer, lauwarmer Kaffee bleibt nun einmal schwarzer, lauwarmer Kaffee – auch wenn er pro Häferl durchschnittlich fünf Euro kostet.

oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2015)

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