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Honiggewinnung: Pressen statt Schleudern

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(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Der Salzburger Daniel Pfeifenberger hat eine fast vergessene Art der Honiggewinnung wiederentdeckt. Auch sonst geht er mit Bienenlieb in der Imkerei Wege abseits der Masse.

Ruhe ist oberstes Gebot: Wenn sich Daniel Pfeifenberger einem seiner Bienenstöcke nähert, bewegt er sich langsam und vorsichtig. In T-Shirt und Hose, mit der bloßen Hand öffnet er den Deckel des Stocks und hebt einen der eingehängten Holzrahmen mit Waben heraus. Die Bienen setzen unbeirrt ihre Arbeit fort, pflegen die Brut, lagern Pollen und Nektar um. Kein Tierchen fliegt aufgeregt davon, keine Biene setzt zum Angriff auf den Störenfried an. „Ein gut betreutes Volk hat keinen Grund, aggressiv zu sein“, lautet das Credo des Salzburger Imkers. Er arbeitet fast nie mit Schutzkleidung. Wenn er ruhig mit seinen Völkern umgeht, braucht er das nicht.

Eigentlich verdient Pfeifenberger seinen Lebensunterhalt mit einer EDV-Firma. Doch der Salzburger stammt aus einer Lungauer Familie, die seit Generationen Bienen hat. Als Ausgleich zu seiner Computerarbeit entdeckte auch er die Imkerei für sich. Mittlerweile hat er an mehreren Standorten in der Festspielstadt Carnica-Bienenvölker, die er betreut. Seine Stöcke stehen unter anderem am Mönchsberg, am Kapuzinerberg oder beim Kommunalfriedhof. Aus dem Hobby ist fast schon ein zweites berufliches Standbein geworden: Bienenlieb heißt die Marke, unter der Pfeifenberger gemeinsam mit seiner Frau Johanna eigenen Honig verkauft, ein Geschäft betreibt und Kurse für Imker und solche, die es werden wollen, anbietet.

Bei der Bewirtschaftung ihrer Stöcke gehen die beiden Salzburger in mehrfacher Hinsicht andere Wege. „Ich versuche, die Bienen möglichst in Ruhe zu lassen“, beschreibt Pfeifenberger seine Philosophie. Das heißt, dass er den Honig nicht mehrfach entnimmt, sondern sich auf eine, maximal zwei Ernten beschränkt. Außerdem belässt er einen Teil der gefüllten Waben im Stock, damit die Bienen sich im Winter nicht nur von Zuckerwasser ernähren. Das macht sie widerstandsfähiger. „Der Mensch hat es geschafft, dass er die Bienen von sich abhängig gemacht hat“, meint Pfeifenberger. Würde man den Bienen den Frühlingshonig belassen, wäre dieser reichhaltig genug, um die Tiere unbeschadet durch den Winter zu bringen. „Als Imker hat man eine große Verantwortung für die Bienen“, ist der Salzburger überzeugt. Man muss sehr sorgsam mit seinen Völkern umgehen. Nicht nur Pestizide, Wetterschwankungen oder Umweltzerstörung machen den Bienen das Leben schwer. Auch Unachtsamkeit von Imkern kann die Völker schwächen.

So schonend wie möglich

Im Sommer, wenn die Stöcke mit bis zu 50.000 Tieren zu ihrer vollen Größe angewachsen und die Waben voller Honig sind, macht sich Pfeifenberger an die Ernte. Die einzelnen Rahmen werden aus dem Magazin des Bienenstocks herausgehoben, die meisten Waben sind fest verschlossen. Pollen und Nektar sind von den Bienen immer wieder umgelagert worden, die Mischung ist zu Honig fermentiert. Um den Honig aus den Waben zu lösen, setzt Pfeifenberger nicht aufs Schleudern. Er hat eine Methode wiederentdeckt, die vor der Erfindung der Honigschleuder bei uns üblich war und mittlerweile fast in Vergessenheit geraten ist: Der Salzburger presst den Honig aus den Waben. „Wir wollen den Honig so schonend wie möglich ins Glas bringen“, nennt Johanna Pfeifenberger als Grund. Beim Pressen bleiben die Honigmoleküle unversehrt, Wachsbestandteile und Pollen werden nicht herausgelöst, sondern bleiben im Honig. Ein Nachteil des Pressens: Es dauert länger. Doch das nehmen die Bienenlieb-Gründer gern in Kauf, wenn das Endprodukt dafür geschmackvoller und bekömmlicher ist.

Beim Pressen füllt Pfeifenberger die aus dem Rahmen geschnittenen vollen Waben in ein großes Metallgefäß mit kleinen seitlichen Schlitzen. Rund 35 bis 40 Waben passen in den Topf, der in der Mitte einen Gummiballon hat. Der Ballon wird langsam mit Wasser gefüllt und presst so den Honig samt Wachs und Pollen langsam durch die Schlitze. In einer Schale wird der goldgelbe Honig aufgefangen. Gut eine halbe Stunde dauert es, bis der Honig gewonnen ist und die Waben leer und zerdrückt sind. Beim Schleudern bleiben die Waben in ihrer Struktur erhalten und können wiederverwendet werden. Das geht beim Pressen nicht.

Pfeifenberger bietet auch anderen Imkern an, die Honigpresse zu nützen. Das Interesse an dieser schonenden Form der Honiggewinnung steige, erzählt der Salzburger, der im kommenden Jahr versuchen will, zwei Jungvölker nicht in den heute gebräuchlichen viereckigen Kästen, sondern in Kugeln anzusiedeln. Mit Kugeln komme man der ursprünglichen Form eines wild lebenden Bienenvolkes näher – ähnlich wie mit den früher üblichen geflochtenen Bienenkörben.

Großes Interesse gibt es für die Neueinsteiger-Kurse von Pfeifenberger, bei denen jeder Teilnehmer ein eigenes Volk betreuen muss. Die Plätze waren in kürzester Zeit ausgebucht. Hätte er mehr Zeit, könnte er weitere Kurse locker füllen. „Doch dazu müsste ich in meiner EDV-Firma zusätzlich jemanden anstellen“, erzählt der Salzburger. Und das rechne sich derzeit noch nicht. Die Neo-Imker müssen zu Beginn des Kurses einen Holzkasten als künftiges Zuhause für „ihr“ Bienenvolk bauen. Dann steht mehr als ein Jahr lang vor allem die praktische Arbeit mit den Bienen im Vordergrund. „Mir ist wichtig, dass die zwei wichtigsten Perioden im Bienenjahr von allen Kursteilnehmern jeweils zweimal praktisch durchgemacht werden“, erläutert Pfeifenberger. Das gebe den Neo-Imkern Sicherheit. Das Auswintern der Stöcke im Frühjahr und die Vorbereitung auf den Winter im August oder September mit der Behandlung gegen die gefährliche Varroamilbe sind die heikelsten Phasen im Bienenjahr.

Auch bei der Milbe geht Pfeifenberger neue Wege. Er setzt bei der Varroa-Behandlung nicht auf Ameisensäure, sondern auf Wärme. Die Waben mit der Bienenbrut werden für zwei Stunden auf 42 Grad erhitzt. Der Brut tut das nichts, die Milben aber sterben ab. Er hat mit der Wärmebehandlung sehr gute Erfahrungen gemacht. Seit drei Jahren wendet er diese Methode an und hatte seither keinen einzigen Stock durch die gefürchtete Milbe verloren.

Bienenlieb

Unter der Marke Bienenlieb verkaufen Daniel und Johanna Pfeifenberger in der Salzburger Alpenstraße Honig, der durch Pressung gewonnen wird. Außerdem gibt es verschiedene Bienenprodukte und Honigzubereitungen.

Bienenlieb bietet weiters Kurse für Neueinsteiger sowie Spezialkurse für erfahrene Imker. Infos und Onlineshop: www.bienenlieb.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2015)

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