Bonität: Schuldenlast bringt britisches Triple-A in Gefahr

(c) Reuters (Luke MacGregor)
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Experten auch über USA besorgt. Das britische Budget 2009/10 sieht eine Neuverschuldung von 178 Milliarden oder 12,4 Prozent des BIP vor.

London (rei). Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's den Ausblick für die britische Wirtschaft von „stabil“ auf „negativ“ zurückgestuft hat, droht das Land erstmals seit 1978 seinen Triple-A-Status zu verlieren. Mit Sorge blicken die Marktbeobachter auch auf die USA, die zur Bekämpfung der Finanzkrise ebenso wie Großbritannien eine gigantische Ausweitung ihrer Verschuldung in Kauf genommen haben. „Es gibt auch dort Grund zur Beunruhigung“, sagte der Währungsanalyst Chris Turner von der ING-Bank in London.

Das britische Budget 2009/10 sieht eine Neuverschuldung von 178 Milliarden oder 12,4 Prozent des BIP vor. Standard & Poor's zeigte sich in seiner Bewertung besorgt, dass Schulden der öffentlichen Hand in den nächsten Jahren von derzeit 55 auf 100 Prozent des BIP anwachsen werden. „Ein derartiges Defizit ist nicht mit dem Triple-A vereinbar“, warnte die Agentur und forderte massive Einsparungen. Eine Zurückstufung werde unvermeidlich sein, „wenn wir zu dem Schluss kommen, dass die Konsolidierungspläne nicht zu einer dauerhaften Verringerung der Schuldenlast führen werden“.

Konträr zu Regierungslinie

Ein klarer Auftrag an die Politik, der aber im Gegensatz zur Regierungslinie steht. Premier Gordon Brown setzt darauf, die Rezession mit Ausgaben zu bekämpfen. Bestätigt können sich hingegen Frankreich und Deutschland sehen, die sich auf dem G20-Gipfel im April gegen weitere Konjunkturprogramme gestellt hatten. Standard & Poor's attestierte beiden Ländern, dass „die Belastung der öffentlichen Finanzen weitaus geordneter gehandhabt wird als in den USA und Großbritannien“. Derzeit haben 18 Staaten, darunter Österreich, AAA-Status, womit sie zu günstigeren Konditionen Schulden machen können. Irland, Portugal, Spanien und Griechenland wurden heuer bereits zurückgestuft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2009)

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