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Der Traum von Frankreich wird bald Realität

(c) GEPA pictures / Ch. Kelemen029
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Nach dem 1:0 gegen Moldau bestehen keinerlei Zweifel mehr. Österreich wird an der EM 2016 teilnehmen, schon ein Punkt in Schweden genügt.

Wien. Marcel Koller hatte sich für das Spiel gegen die Republik Moldau zwei Szenarien ausgemalt. Entweder seine Mannschaft würde ein frühes Tor schießen, dann könnten die 90 Minuten wie beim 5:0 in Liechtenstein zu einem Selbstläufer werden. Oder es würden die Minuten verstreichen – ohne Torerfolg. Koller bezeichnete dieses Szenario als „die Möglichkeit eines Geduldspiels“. Da die erste Halbzeit keine Erlösung brachte, nahm der Schweizer zur Pause leichte taktische Korrekturen vor. Er zog Martin Harnik und Marko Arnautović auf den Außenbahnen weiter nach vorn und forderte von seinen Spielern nachdrücklich Geduld ein. „Wir wussten, dass irgendwann die Lücke kommt“, sollte der Teamchef nach dem 1:0-Sieg trocken feststellen.

Dem einzigen Treffer des Abends war eine schnelle Kombination über Julian Baumgartlinger, David Alaba und Marc Janko vorausgegangen. Alabas Schuss konnte der ansonst vor allem durch seine Zeitschinderei auffällige moldauische Schlussmann Ilie Cebanu nicht fangen, sondern nur nach vorn abwehren. Zlatko Junuzović sorgte in der 52. Minuten für kollektiven Jubel im Happel-Stadion. Ausgerechnet Junuzović. „Das passt zusammen“, sagte der Bremen-Legionär mit einem Augenzwinkern, angesprochen auf die Flüchtlingsthematik und seine persönliche Vergangenheit.

Junuzović war einst als Vierjähriger gemeinsam mit seiner Familie dem Bosnien-Krieg entflohen. Bei seinem sechsten Treffer für das ÖFB-Team verspürte der 27-Jährige „große Erleichterung“, alles andere als einen Sieg hätte er auch als Ungerechtigkeit empfunden. „Die Moldauer wollten nicht einmal kontern.“ Ähnlich empfand es auch Koller, der den Gegner aber selbst nach dem Treffer nicht anders erwartet hatte. „Sie wollten solange wie möglich nur mit einem Tor in Rückstand liegen, haben auf einen Eckball oder einen Konter gehofft...“

 

Kein „Schokoladen-Fußball“

Dass Österreichs Auswahl keinen Fußball zum Mit-der-Zunge-Schnalzen bot, war mit der Ultradefensiv-Taktik Moldaus durchaus erklärt. Man müsse also nicht das Haar in der Suppe suchen, „es läuft nicht jeden Tag Schokoladen-Fußball“, sagte Koller und verwies auf die spielerische Dominanz und den hohen Ballbesitzanteil (73 Prozent). „Unser Ziel waren drei Punkte. Es gibt nicht immer schöne Spiele und viele Tore. Freut euch doch mal“, sagte der 54-Jährige mit einem leichten Schmunzeln.

Die ÖFB-Equipe benötigt nun nur noch einen Punkt aus den drei verbleibenden Spielen gegen Schweden (Dienstag, 20.45Uhr, live in ORFeins), Montenegro (9.Oktober) und Liechtenstein (12.Oktober), um das Ticket für Frankreich endgültig zu lösen und sogar als Gruppensieger festzustehen. „Wir fliegen nach Schweden, um zu gewinnen“, versicherte Koller, dessen Mannen in Solna gewiss eine hitzige Atmosphäre erwartet.

Die Schweden stehen nach dem 0:1 in Russland gehörig unter Druck, nur ein Sieg hält sie weiter auf Kurs. An Alaba und Co. haben die Skandinavier durchaus gute Erinnerungen, immerhin fügte man Österreich im Oktober 2013 die bislang letzte Niederlage in einem Pflichtspiel zu. Koller erwartet einen angriffslustigen Gegner und sieht Vorteile bei seiner Mannschaft. „Die Schweden werden nicht blind nach vorn stürmen und alles auf eine Karte setzen, weil sie Respekt vor uns haben. Es ist immer angenehmer, wenn man aus der Position der Stärke handeln kann und so wie wir nicht unter Druck ist.“

 

Der Faktor Ibrahimović

Ein weiteres Plus könnte der mögliche Ausfall von Zlatan Ibrahimović sein. Der 33-Jährige ist das Um und Auf im Spiel der Schweden. Ohne seinen Superstar, der seine Millionen bei Paris SG verdient, war die Truppe von Teamchef Erik Hamrén in der Vergangenheit oftmals eine Klasse schwächer, weil einfacher auszurechnen. „Er ist ein Weltstar, der den Unterschied ausmachen kann. Es ist auf jeden Fall kein Nachteil, wenn er nicht spielt“, meinte Marc Janko.

Zlatko Junuzović blickt dem Gastspiel in Schweden – unabhängig von der Ibrahimović-Debatte – mit Zuversicht entgegen. „Ob Ibrahimović spielt, ist egal. Ich habe volles Vertrauen in meine Hinterleute“, bemerkt der Mittelfeldspieler und ergänzt: „Die Spielanlage der Schweden wird uns mehr entgegenkommen als jene der Moldauer. Sie müssen aktiv werden. Ich erwarte ein richtiges Fußballspiel.“


GRUPPE G

1.Österreich761012219
2.Schweden733110512
3.Russland732210411
4.Montenegro7223688
5.Liechtenstein71242145
6.Moldau70253102

Dienstag: Schweden – Österreich (20.45 Uhr), Moldau – Montenegro, Liechtenstein – Russland.

Weitere ÖFB-Spiele: 9. Oktober: Montenegro – Österreich, 12. Oktober: Österreich – Liechtenstein.


Bereits gespielt


Russland – Liechtenstein 4:0, Österreich – Schweden 1:1, Montenegro – Moldau 2:0, Liechtenstein – Montenegro 0:0, Moldau – Österreich 1:2, Schweden – Russland 1:1, Österreich – Montenegro 1:0, Russland – Moldau 1:1, Schweden – Liechtenstein 2:0, Österreich – Russland 1:0, Moldau – Liechtenstein 0:1, Montenegro – Schweden 1:1, Moldau – Schweden 0:2, Montenegro – Russland 0:3, Liechtenstein – Österreich 0:5, Russland – Österreich 0:1, Liechtenstein – Moldau 1:1, Schweden – Montenegro 3:1, Österreich – Moldau 1:0, Russland – Schweden 1:0, Montenegro - Liechtenstein 2:0.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2015)