Warum Anleger jetzt auf den Dollar achten sollten, wo noch Kurspotenzial schlummert und welche Unternehmensanleihen punkten.
Die Börsen zeigen sich in letzter Zeit erstaunlich fit. Obwohl die Bärenmarktrallye jetzt schon ziemlich lange dauert und viele Experten unken, dass die Luft für Aktienkurse schon sehr dünn geworden sei, zeigen die Märkte (bis auf einzelne Tagesausrutscher nach unten) noch kaum Müdigkeitserscheinungen.
Das bringt jetzt immer mehr Analysten dazu, die Krise zumindest für die Aktienmärkte für vorläufig beendet zu erklären. Ich würde darauf nicht unbedingt vertrauen. Denn vor allem im (überwiegend durch gelockerte Bilanzregeln herausgeputzten) amerikanischen Finanzsektor (und die Amerikaner geben nun einmal das Tempo auf den Aktienmärkten vor) schlummern offenbar noch einige „Leichen“, deren Entdeckung empfindliche Schocks auslösen könnte.
Und die amerikanische Regierung scheint sich in der Schuldenfalle verheddert zu haben. So sehr, dass jetzt sogar Gerüchte aufgetaucht sind, die USA könnten ihren Triple-A-Status der höchsten Bonität verlieren. Das ist zumindest kurzfristig zwar unwahrscheinlich. Aber allein, dass es ernsthaft für möglich gehalten wird, zeigt, wie ernst die Lage ist.
Dass die US-Börsen am Freitag selbst auf Gerüchte dieses Kalibers nicht mit Rücksetzern reagiert haben, zeigt schon von einer gewissen Robustheit. Reagiert hat freilich der Dollar, der jetzt gegenüber dem Euro wieder rasant auf dem Weg nach unten ist.
Das trifft all jene hart, die die günstige Stimmung auf den US-Märkten nutzen und in amerikanische Papiere investiert sind. Es gilt jetzt dort also besonders aufzupassen. Wenn der Dollar am Ergebnis knabbert, dann kommen nur besonders starke Werte in Betracht. Immerhin hat der Greenback seit seinem „Stärkeanfall“ im Frühjahr schon wieder mehr als zehn Prozent verloren. US-Aktien, deren Kurszuwachs darunterliegt, sind also ein Verlustgeschäft.
Zum Glück gibt es immer noch Werte mit Potenzial. Da müssen es gar nicht „Kracher“ wie die „Presse am Sonntag“-Empfehlung Stec (rund 125 Prozent Kurszuwachs seit der Empfehlung im März) sein. Die Aktie hat übrigens weiter Potenzial. Analysten sehen jetzt schon 20 Dollar in Reichweite. Das ergäbe ein weiteres Aufwärtspotenzial von 25 Prozent.
Auch andere Technologieaktien haben wieder „aufgezeigt“. Solarwerte wie etwa der amerikanische Dünnschicht-Solarzellenhersteller First Solar haben sich heuer ebenfalls fast verdoppelt. Und in der Vorwoche sind Düngemittelpapiere dies- und jenseits des Atlantiks in den Blickpunkt der Anlegergemeinde gerückt (siehe unten stehende Geschichte).
Jede Aktivität steht angesichts der weiterhin fragilen Marktsituation aber wie gesagt unter der Prämisse, beherzt auszusteigen, wenn sich der Markt dreht. Wann das sein wird, ist weiterhin schwer zu sagen, denn nach normalen Bärenmarktrallye-Gesichtspunkten hätte es längst schon so geschehen müssen.
Der Grund, warum die Kurse weiterlaufen, dürfte bei den großen Fonds liegen: Selbst sehr vorsichtige Fondsmanager, die sich im Vorjahr die Finger verbrannt haben, können ihren Kunden nicht mehr erklären, wieso sich die Indexzuwächse an den Weltbörsen nicht in den Depots ihrer Kunden widerspiegeln. Und sehen sich deshalb gezwungen, in den Markt zu springen. Das bringt mehr Liquidität als erwartet– und bessere Kurse.
Die Börsen-Hausse hat nun die heuer doch sehr stark ins Blickfeld der Anleger geratenen Unternehmensanleihen wieder ein bisschen im Schatten verschwinden lassen. Dabei fließt nach Angaben von Raiffeisen Research weiter sehr viel Geld in dieses Segment – und die Papiere bleiben, soweit erstklassige Schuldner betroffen sind, attraktiv.
Die Raiffeisen-Banker haben sich österreichische Unternehmensanleihen angesehen und vor allem die Schuldpapiere der Telekom Austriaund der OMV zum Kauf empfohlen. Die OMV hat zwei Anleihen am Markt, wobei die 6,25-Prozent-OMV-Anleihe 2014 (die derzeit mit 4,94 Prozent rentiert) attraktiv erscheint.
Die Telekom Austria hat vier Anleihen mit Fälligkeiten zwischen 2010 und 2017 und Renditen zwischen 1,68 (für die 2010 fällig werdende) und 5,64 Prozent (für die 2016 fällig werdende) am Markt, wobei vor allem die beiden mit den längeren Restlaufzeiten interessant erscheinen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2009)