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Altbauabriss in Wien-Landstraße: Mieter gegen Bezirk

Das Haus war von 1929 bis 2001 in Stadt-Besitz. Es soll abgerissen werden.
Das Haus war von 1929 bis 2001 in Stadt-Besitz. Es soll abgerissen werden.Jenis / Die Presse
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Der Bezirksvorsteher-Vize will den Abbruch eines Hauses und arbeitet andernorts für die Eigentümer. Besteht ein Interessenskonflikt?

Wien. Wieder steht ein noch bewohntes Gründerzeithaus in Wien kurz vor dem Abriss – und das soll laut Bezirksvorstehung Landstraße im Sinn der Allgemeinheit sein. So ist es in einer Stellungnahme an die zuständige Behörde zur Causa Hetzgasse 8 zu lesen, um die sich derzeit Bürgerproteste und politische Diskussionen ranken.

Verfasser des Schriftstücks ist Rudolf Zabrana, Bezirksvorsteher-Stellvertreter (SPÖ), Architekt und Vorsitzender des Bauausschusses im dritten Bezirk seit 1986 sowie Vorstand zweier Genossenschaften, die zur Sozialbau AG gehören – die wiederum im Besitz der SPÖ steht. „Es ist dort wegen der Straße sehr laut, und die Fenster orientieren sich fast alle in Richtung Bahngleise. Das ist ein Nachteil, der längerfristig nicht behoben werden kann – auch bei einer dringend nötigen Sanierung nicht“, sagt er zur „Presse“.

Von der Stadt verkauft

Zugegeben, das Haus ist in keinem guten Zustand – das war es aber auch schon damals nicht, als die Stadt Wien unter Wohnbaustadtrat Werner Faymann 2001 etliche sogenannte atypische Gemeindebauten verkauft hat. Wiener Wohnen hatte mehrfach eine Sanierung versprochen – dann wurde die Hetzgasse 8 aber zusammen mit der Immobilie am Franziskanerplatz 5 in der Inneren Stadt im Paket um 5.860.000 Euro veräußert. Käufer war die Fepia Privatstiftung. Dahinter steht eine Familie (Name der Redaktion bekannt), die etliche Häuser in Wien besitzt. Sie verpflichtete sich, die Altmieter samt Verträgen zu übernehmen – diesen wurde wiederum von Wiener Wohnen zugesichert, dass sich für sie nichts ändern würde. Mehr als ein Jahrzehnt wurden am Haus keine Instandhaltungsarbeiten gemacht, es verfiel immer mehr. Heute wohnt hier noch eine Partei, die sich trotz großzügig angebotener Ablöse mit der Unterstützung von Bürgerinitiativen und Denkmalschutz mit Händen und Füßen gegen Rausschmiss und Abriss wehrt. Die Unterstützung des SPÖ-geführten Bezirks haben die Mieter nicht: „Gründerzeithäuser mit schlechten Grundrissen und beträchtlicher Unterausnutzung der Liegenschaft sollen selbst unter Berücksichtigung der Mieter nicht mit allen Mitteln verteidigt werden, wenn weder ein städtebaulicher noch ein funktioneller Mehrwert in der Erhaltung gesehen werden kann“, heißt es in der Stellungnahme.

Andernorts in Wien konnte jene Familie einen ebenso umstrittenen Abriss bereits erfolgreich durchsetzen. Sie erwarb das ehemalige Gelände der Bestattung Wien in der Goldeggasse 19 auf der Wieden. Um wie viel die Bestattung, die im Besitz der Stadt Wien ist, verkauft hat, ist nicht bekannt. Darüber wurde Stillschweigen vereinbart, im Grundbuch finden sich keine Kaufverträge. Weil sich offiziell niemand fand, der Projekte für die Sanierung einreichte, wurde das Gebäude für einen Neubau abgerissen.

Es entstehen dort jetzt 99 eher hochpreisige Mietwohnungen. Die Pläne kommen vom Architektenbüro Frank + Partner, Rudolf Zabrana ist dort Gesellschafter. Einen Interessenkonflikt sieht dieser aber nicht, wenn er im Sinn seiner Auftraggeber eine Stellungnahme schreibt, die den Abriss befürwortet, obwohl er für sie arbeitet – und das noch dazu entgegen der Interessen von Mietern ist, die es in diesem Fall noch gibt. „Ich habe vorher gar nicht gewusst, dass das Gebäude auch der Familie S. gehört“, sagt er. Christoph Ulbrich von „Wien anders“ unterstützt die Bürgerinitiative und glaubt nicht an Zabranas Unwissen: „Die Hetzgasse ist ein eklatantes Beispiel für die strukturelle Korruption in der Stadt. Einerseits ein derartiges Gutachten zu schreiben, das sich liest, als hätte es der Bauherr bestellt – und andererseits für die Eigentümer zu arbeiten, das ist eindeutig Unvereinbarkeit.“ Unvereinbarkeit sieht Zabrana auch darin nicht, dass er einerseits Chef des Bauausschusses im dritten Bezirk ist, andererseits Projekte verwirklicht, die über seinen Tisch gehen – etwa dann, wenn es um Umwidmungen geht. „Ich verlasse bei der Abstimmung dann immer den Raum“, sagt er. „Die SPÖ stimmt dann aber natürlich trotzdem immer so, wie er das will“, sagt Eva Lachkovics, Bezirksvorsteher-Stellvertreterin der Grünen im dritten Bezirk.

Umstrittene Projekte

Zwei Projekte, die Zabrana etwa mit Frank + Partner im Bezirk umsetzte, waren Am Kaisergarten und die Wohnungen Am Schubertturm – beide waren umstritten. So entstanden etwa auf einem Gelände nahe der Krankenanstalt Rudolfstiftung 92 frei finanzierte Eigentumswohnungen, die inmitten von viel Grün und einer parkähnlichen Anlage stehen. Bauträger war die Wien Süd, ein gemeinnütziger Bauträger, der als SPÖ-nahe gilt. In der Erdbergstraße 17 entstanden 73 Wohnungen Am Schubertturm, der fast dem Projekt zum Opfer gefallen wäre. Als der Denkmalschutz einschritt, wurde der Turm saniert und in den neuen Bau integriert.

In beiden Fällen gab es Bürgerproteste, da der Grünraum durch dieNeubauten teilweise stark verringert wurde. Dass die zu gestaltenden Gartenflächen verringert werden können, beschließt der Bauausschuss. Die Flächen wurden 2005 und 2006 neu gewidmet.


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