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Flüchtlinge an der Universität: "Schnellstmöglich einbinden"

(c) Clemens Fabry
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Derzeit studieren relativ wenige Flüchtlinge an Wiener Universitäten. Immer mehr Hochschulen engagieren sich mit Deutschkursen.

Wien. Jus und Pharmazie: Das sind die Studienfächer, die Flüchtlinge und Asylwerber an der Universität Wien am liebsten studieren. Noch machen diese an der mit 90.000 Studierenden größten Uni des Landes eine relativ kleine Zahl aus: Rund 100 Asylwerber und Flüchtlinge sind derzeit eingeschrieben – die meisten aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran, Russland und Syrien. Wie viele im anstehenden Wintersemester neu dazukommen, wird sich kommende Woche weisen. Die abschließenden Prozesse liefen teilweise noch, heißt es aus dem Rektorat.

Tatsächlich ist es für Flüchtlinge oft nicht ganz einfach, die Nachweise zu bringen, die für eine Zulassung an der Uni nötig sind. Wer eine Asylkarte oder einen Konventionspass hat, darf grundsätzlich an österreichischen Unis studieren – sofern er die allgemeine Universitätsreife nachweisen kann. Das ist für jene, die aus Krisenländern fliehen mussten, oft schwierig. Um zu einem ordentlichen Studium zugelassen zu werden, braucht es noch den Nachweis der Deutschkenntnisse. Die Wiener Unis bieten für ausländische Studierende mit dem OeAD einen Vorstudienlehrgang an, in dem diese auch auf eventuelle Ergänzungsprüfungen vorbereitet werden (neben Deutsch auch in anderen Fächern).

 

„Unbürokratische Lösungen“

Die Uni Wien arbeitet derzeit an einer eigenen Webseite, auf der die wichtigsten Informationen zusammengefasst werden sollen. Sie soll nächste Woche onlinegehen. „Die Uni Wien will diese Studierenden schnellstmöglich in den regulären Studienbetrieb einbinden“, heißt es aus dem Rektorat. Man wolle und könne sich um „unbürokratische Übergangslösungen“ bemühen. Was die Anrechnung von Studienleistungen aus dem Ausland angeht – immerhin kommen gerade aus Syrien mitunter Flüchtlinge, die im Heimatland bereits studiert haben –, seien die Studienprogrammleiter „angehalten, großzügig vorzugehen“.

Auch die Wirtschaftsuniversität gibt an, bei der Zulassung großzügig vorzugehen: Prinzipiell laufe die Bewerbung zum Studium für Asylwerber und Flüchtlinge gleich ab wie für alle anderen. Man verzichte aber auf gewisse Beglaubigungen. An der WU studieren derzeit 35 Flüchtlinge – die Zahl der Asylwerber ist nicht erfasst. Für dieses Semester haben sich vier eingeschrieben. „Ein hoher Anteil der Flüchtlinge ist gut ausgebildet, jung und engagiert“, heißt es aus dem Rektorat der WU. An der Medizin-Uni Wien hat sich die Zahl der Anträge von Asylwerbern und Flüchtlingen dieses Jahr verdoppelt, aber auch auf niedrigem Niveau: 21 Personen wollen zum Vorstudium zugelassen werden, bei dem es vor allem um Deutschkenntnisse geht. Danach können sie – je nachdem, welche Leistungen sie bereits von anderen Unis mitbringen –, quer einsteigen oder den Eignungstest für das Studium absolvieren.

 

Deutschkurse an Uni und WU

Immer mehr Unis engagieren sich inzwischen allgemein für Flüchtlinge. So bietet die Wirtschaftsuniversität seit Montag Deutschunterricht für die Flüchtlinge an, die in Erdberg untergebracht sind. Die Universität Wien plant ebenfalls, Deutschkurse anzubieten, außerdem will die Uni Sportmöglichkeiten schaffen. Man sei in Kontakt mit den betreuenden NGOs. Deutschkurse für Flüchtlinge haben auch zahlreiche andere Universitäten angeboten. Die Universität der bildenden Künste kooperiert mit Magdas Hotel in Wien, in dem (auch) Flüchtlinge arbeiten.

Die Unis sehen sich auch in der Verantwortung, was Know-how betrifft: „Durch die aktuellen Flüchtlingsbewegungen entstehen neue gesellschaftliche Fragen und Herausforderungen“, heißt es von der Uni Wien. „Die Universität sieht sich hier auch aufgefordert, ihr Expertenwissen einzubringen und gemeinsam mit der Politik und der Zivilgesellschaft neue Lösungen und Antworten zu entwickeln.“ (beba)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2015)