Standard & Poor's: Österreichs Banken fehle externe Kapitalstruktur

Für die Ratingagentur Standard & Poor's ist die mangelnde Kapitalaufnahme von außen die Schwäche österreichischer Banken schlechthin. Da habe sich der Abstand zu den internationalen Konkurrenten seit 2014 noch vergrößert. Dazu komme, dass keine der S&P-gerateten großen heimischen Banken auf eine "Gruppenhilfe" aus einem großen Mutterkonzern bauen könne, nicht einmal die Bank Austria (UniCredit).

Mittlerweile dürfen sich die Banken aufgrund der EU-Bankenabwicklungsregeln (in Österreich Stichwort BaSAG) nicht mehr darauf verlassen, im Ernstfall vom Staat mit Steuergeld gerettet zu werden. Das hat die Banken auch in Österreich im Juni Bonitätsstufen gekostet. Ungeachtet dessen müssen sie mehr Kapitalpuffer aufbauen, das fordern die Aufseher.

Die S&P-Bankenanalystin Anna Lozmann hält es nicht für ausgeschlossen, dass eine Bank vom Staat im Notfall doch Hilfe bekommt. Mit Inkrafttreten des BaSAG könne man damit aber nicht "rechnen." Österreich hatte sein Bankenabwicklungsgesetz sogar vorgezogen, damit es die notverstaatlichte Hypo Alpe Adria (Heta) damit abwickeln kann.

In den letzten Jahren sei die Kapitalakkumulierung bei den österreichischen Banken fast zum Stillstand gekommen, so S&P. Die letzte Hybridkapitalemission in Österreich liegt nach Worten des S&P-Analysten Markus Schmaus fünf, sechs Jahre zurück. Der Heta-Rückzahlungsstopp habe Bankanleiheinvestoren zusätzlich verunsichert. Auch beim Abbau von Risikoaktiva sei man inzwischen hart an den Grenzen angekommen, sagte Lozmann.

Obwohl der heimische Bankenmarkt als extrem voll gilt, spricht man, wenn man von Österreichs Banken redet, "von den großen drei", also Bank Austria, Raiffeisen und Erster, die aber 50 Prozent ihrer Bilanz außerhalb des Landes haben. Fremdwährungskreditprobleme in Polen, Ungarn oder Kroatien seien Herausforderungen, die auf ihre Inlandsmärkte abgestellte Mitbewerber nicht hätten.

In der S&P-internen Länder-Banken-Bonitätsskala (BICRA, Bank Industry Country Risk Assessment) die mit Noten zwischen 1 (sehr gut) und 10 (extrem schlecht) das Gesamtrisiko des jeweiligen Banksektors misst, rangiert die Ukraine ganz am Schluss bei 10, Russland, Ungarn oder Slowenien - wo Österreichs Banken auch stark vertreten sind - liegen nur zwei bis drei Stufen besser.

Österreich als Inlandsbankmarkt bekommt in der S&P-Risikoskala derzeit Note 3. Vor dem Sommer war es noch eine "2". Einen Einser gibt es derzeit für keines der 85 Länder, wo S&P Bankenratings macht. Werden die Ostländer dazugewichtet, schaut es bei den Großen in Österreich anders aus: Da bekommen Raiffeisen und Erste Group eine 4, UniCredit eine 5.

Wegen des Wettbewerbsdrucks wird Österreichs Bankenmarkt bei S&P derzeit als instabil gesehen, das komme nicht so häufig vor, so die Analysten. Pleiten werden allerdings nicht gesehen. Da trotz aller Fortschritte auf der Kostenseite die Ausgaben die Erträge aufzufressen drohten, könnte sich das eine oder andere Institut die Existenzfrage stellen. Größere Fusionen und Zusammenschlüsse sieht S&P die nächsten zwei, drei Jahre nicht. Dem stünden hohe Hürden von Sektoren entgegen. Auch Raiffeisen dürfte sich nicht so schnell von seinem dreistufigen Aufbau verabschieden.

Ratings von Standard & Poor's haben in Österreich die Großbanken Bank Austria UniCredit, Erste Group und Raiffeisen, die Hypos von Niederösterreich und Oberösterreich sowie die Kommunalkredit-Bad-Bank KA Finanz.

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