Dokumente aus dem Strafakt enthalten brisante Enthüllungen auch über Christine de Castelbajac.
Wien (APA). Dutzende Dokumente aus dem Strafakt zum Constantia-Immofinanz-Skandal legen die Vermutung nahe, dass die Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac und ihre engsten Berater stärker in die Causa involviert waren als bisher bekannt. Laut Protokollen aus der Staatsanwaltschaft, die dem Wirtschaftsmagazin „Trend“ vorliegen, habe sie zumindest Versuchen zugestimmt, die skandalösen Machenschaften zu verschleiern. Castelbajac ließ über Constantia-Sprecher Alfred Autischer alle Anschuldigungen zurückweisen.
Bei der Hauptversammlung der Constantia Privatbank (CPB), die noch de Castelbajac gehörte, wurde im Juni 2008 eine Gewinnausschüttung von 33 Mio. Euro beschlossen. Abgesehen davon, dass die CPB damals schon fast bankrott gewesen sein soll, waren zu diesem Zeitpunkt 90,8 Prozent der Bank an eine Gruppe rund um Rechtsanwalt Rudolf Fries verpfändet – als Sicherheit für eine Put-Option, die Castelbajacs Holding Constantia B.V. Fries bei dessen Einstieg in die Immofinanz im Februar 2008 eingeräumt hatte.
Fries klagt Constantia
Die Fries-Gruppe wurde laut „Trend“ weder über die Hauptversammlung noch über die Gewinnausschüttung informiert. In einer Klage gegen die Constantia B.V. erhebt Fries daher den Vorwurf, dass der Wert seines Pfands widerrechtlich um 33 Mio. Euro geschmälert wurde.
Castelbajac soll schon 2007 gewusst haben, dass ihr Ex-Topmanager Karl Petrikovics 2007 über eine Mrd. Euro an Anlegergeldern aus der Immoeast in die CPB geschleust und mit Aktien der Immofinanz und Immoeast verspekuliert hatte. Auch Chefberater Guido Schmidt-Chiari (Ex-CA-Generaldirektor) soll informiert gewesen sein, ebenso CPB-Aufsichtsratsvorsitzender und Castelbajac-Vertrauter Prinz Michael von und zu Liechtenstein.
Karl Arco, damals im Bankvorstand, erklärte der Justiz: Nachdem er auf die Aktienbestände aufmerksam geworden war, habe er sofort informiert. Ex-Vorstand Norbert Gertner: „Castelbajac hat sofort gesagt, dass sie keine Publizität und kein Meinl-Schicksal möchte.“ Der Vorschlag des beigezogenen Juristen Christian Nowotny, Petrikovics sofort abzuberufen, wurde abgelehnt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2009)