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Horn von Afrika: Jihad-Tourismus in Somalia

Somalia
(c) EPA (BADRI MEDIA)
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Somalia als neue Front des globalen Jihad – seit Jahren hatten Experten vor dieser Gefahr gewarnt. Ausländische Extremisten verstärken die islamistischen Kämpfer.

Mogadischu(ag.). Somalia als neue Front des globalen Jihad – seit Jahren hatten Experten vor dieser Gefahr gewarnt. Nun haben die USA offenbar Belege, dass mittlerweile eine Art Jihad-Tourismus am Horn von Afrika eingesetzt hat: Extremisten aus den USA und anderen westlichen Ländern würden an der Seite der militanten Islamisten kämpfen, die die somalische Regierung stürzen wollen. Dies sagte ein US-Regierungsmitarbeiter am Wochenende.

Gleichzeitig hatte die britische Zeitung „The Times“ berichtet, dass nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden knapp 300 Kämpfer aus Großbritannien, den USA, Kanada, Pakistan, Afghanistan und Saudi-Arabien in den vergangenen Wochen in die somalische Hauptstadt Mogadischu gekommen seien. In den USA sollen islamistische Terrorgruppen zunehmend unter somalischstämmigen Jugendlichen Kämpfer für den Jihad rekrutieren.

Als vor Monaten die somalische Übergangsregierung um gemäßigtere Islamisten erweitert wurde, bestand die Hoffnung, dass dies die Spannungen in dem Staat verringern würde, in dem die staatliche Ordnung 1991 zusammengebrochen ist. Dies erfüllte sich jedoch nicht. Die extremistischen al-Shaabab-Milizen kämpfen mit unverminderter Härte weiter.

 

Ein Stellvertreterkrieg

Unterstützt werden sie dabei offenbar auch von Eritrea, das in Somalia einen Stellvertreterkrieg gegen Äthiopien führt. Addis Abeba unterstützt nämlich die Übergangsregierung und hat zu ihren Gunsten 2006 eine Militärintervention gestartet, seine Soldaten aber heuer wieder abgezogen. In den vergangenen Tagen berichteten Augenzeugen jedoch von einem erneuten Vormarsch äthiopischer Truppen auf somalisches Gebiet. Nun hat selbst die sonst recht zurückhaltend agierende Afrikanische Union Eritrea namentlich als Unterstützer bewaffneter Gruppen in Somalia benannt und sogar Sanktionen der Vereinten Nationen gefordert.

Die Kämpfe haben sich am Wochenende weiter verschärft: Mindestens 60 Menschen starben alleine in der Hauptstadt Mogadischu. Nach Angaben der UNO sind vor den jüngsten Gefechten 57.000 Menschen aus Mogadischu geflohen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2009)