Die Optionen auf VW-Aktien entpuppen sich für den Sportwagenbauer immer mehr als zweischneidiges Schwert. Wurden im Vorjahr mit Optionen astronomische Gewinne eingefahren, droht bereits im Juni die Finanznot.
Noch Ende März 2009 verkündete der deutsche Sportwagenbauer Porsche im ersten Halbjahr 2008/09 dank Geschäften mit VW-Aktienoptionen mehr als doppelt so viel Gewinn wie Umsatz erwirtschaftet zu haben. Doch nun entpuppen sich genau diese Optionen als tickende Zeitbombe. Die komplexen Finanzkonstruktionen über rund 20 Prozent der Anteile am VW-Konzern könnten laut "Financial Times Deutschland" großteils bis Juni wieder aufgelöst werden. Das würde Porsche in finanzielle Bedrängnis bringen.
Unklar ist allerdings, wie hoch der Finanzbedarf bei Porsche tatsächlich ist. Porsche-Finanzchef Holger Härter hat ein komplexes Netz von Optionsgeschäften aufgebaut, das nun VW-Experten zu entweben versuchen. "Es ist wirklich nicht ganz einfach, da durchzusteigen", sagt etwa ein Verhandlungsteilnehmer von VW laut Zeitung. Auch die wichtigsten Kreditbanken von Porsche würden die Geschäfte im Detail nicht kennen. Ein Porsche-Sprecher hatte den Geldbedarf am Wochenende auf 1,75 Mrd. Euro geschätzt.
Porsche tappt in Optionsgeschäfte-Falle
Es kursieren Gerüchte, wonach sich Porsche mit Optionen auf einen Kaufpreis weit über dem inzwischen gesunkenen Preis für VW-Aktien von derzeit rund 223 Euro festgelegt habe. Porsche dementierte das am Wochenende.
Bedrohlich könnte aber vor allem ein anderer Faktor werden. Zahlreiche Banken und Finanzhändler halten Optionen für den Verkauf von VW-Aktien. Werden diese auf den freien Markt geworfen, würde der VW-Kurs in den Keller fallen. Analysten sprechen in diesem Fall laut "Financial Times Deutschland" von einem realistischen Kurs von unter 100 Euro. Der Wert des Porsche-Anteils an VW würde damit ebenfalls pulverisiert.
Sollte Porsche andererseits versuchen, diese Papiere zu übernehmen, um die Kurse zu retten, würde dies erneut einen hohen Kapitalbedarf nach sich ziehen. Problematisch wäre es dann, neue Kredite zu erhalten. Zwar konnte sich Porsche im März mit einem 10 Milliarden Euro schweren Kredit aus akuten Finanznöten retten, das Geld wird jedoch bereits benötigt.
Experten rechnen damit, dass Porsche im Notfall seine Optionsgeschäfte wohl verlängern kann, sodass diese nicht rasch fällig gestellt werden. Mehr als eine Verlängerung der Galgenfrist ist das aber nicht. Das Fazit eines Experten für Optionsgeschäfte: "Es sieht so aus, als würde der Kapitalmarkt Porsche mit seinen eigenen Waffen schlagen."
(Red.)