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„Die Regierung schläft nicht in der Pendeluhr“

'HAUS DER GESCHICHTE': BELETAGE DER NEUEN BURG ALS MOeGLICHER STANDORT
(c) APA/HANS KLAUS TECHT
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Haus der Geschichte: Jetzt muss man flott sein, sonst ist 2018 unrealistisch.

Wien. Es ist – wie schon berichtet – ein äußerst ambitionierter Zeitplan, den Kulturminister Josef Ostermayer für das Haus der Geschichte vorgelegt hat. Am 10. August 2016 soll der Umbau der Neuen Hofburg am Heldenplatz beginnen, am 27. November 2018 soll eröffnet werden.

Und wenn nicht? Jede Verzögerung in der Entscheidungsphase würde „eine Umsetzung bis zum 100-Jahr-Jubiläum der Republiksgründung unwahrscheinlich machen“, heißt es in der Vorlage an den Ministerrat, der jetzt das Projekt beschleunigen muss. Auch die finanzielle Bedeckung für Umbau, laufende Betriebskosten und den Aufbau einer herausragenden Sammlung werden dem amtierenden Finanzminister (und seinen Nachfolgern) noch Sorgen machen.

„Die Regierung schläft nicht in der Pendeluhr“, meint Ostermayers „VP-Spiegelbild“ in der Koalition, Staatssekretär Harald Mahrer. Dabei fällt auf, dass die Kultursprecherin der Volkspartei, eine frühere Finanzministerin, überhaupt keine Rolle mehr spielt. Die Krux ist, dass Differenzen zwischen Rot und Schwarz in unverbindlichen Diskussionsrunden geglättet werden, in luftigen Wortkaskaden. Fröhlich plaudert der Staatssekretär von einem „Haus der Zukunft“, das noch fehle, von einem „physischen Platz der direkten, freien und offenen gesellschaftlichen Selbstverständigung über unsere Zukunft“. Das ist alles recht dünn.

Dabei sollten jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Der Direktor des HdG und der Ausstellungskurator müssen bestimmt, der internationale Architektenwettbewerb muss ausgeschrieben werden. All das hat höchste Dringlichkeit. Es bleibt zu hoffen, dass dieser schwachen Regierung gelingt, was schon viel stärkeren Teams misslungen ist. (hws)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2015)