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Wettlauf um Casinos-Anteile

PG EPIC ´CASAG´: GOLDSCHEIDER
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Glücksspiel. Der Wiener Peter Goldscheider und seine tschechischen Partner haben im Kampf um die Casinos Austria gute Chancen, die Novomatic doch noch auszustechen.

Wien. Es ist wie im wirklichen Spiel: Erst wenn das letzte Blatt ausgespielt ist, steht der Sieger fest. Und so ist der Ausgang im Poker um die Casinos Austria, der für die Novomatic schon so gut wie entschieden schien, wieder offen. Mit der überraschenden Übernahme der Came Holding, die die Anteile der zur Vienna Insurance gehörenden Donau Versicherung von 11,345 Prozent an den Casinos Austria hält, haben die beiden tschechischen Milliardäre Karel Komárek und Jiri Šmejc dem Spiel eine neue Wendung gegeben. Und sie sorgen neuerlich für Hochspannung. Die endgültige Entscheidung fällt demnächst: Rund um den 20. September laufen Fristen ab.

Die Tschechen, die den Kauf der Came zwar allein durchgezogen haben, denen aber Peter Goldscheider (Epic) weiterhin als österreichischer Partner zur Seite steht, haben nun im laufenden Showdown eine sehr gute Ausgangsposition. Sie können nämlich als Eigentümer der Came bei dem alles entscheidenden Endspurt direkt mitmischen. Wie die Alt-Anteilseigner der Casinos, die großteils in der Medial Beteiligungs GmbH gebündelt sind, haben die Tschechen die Möglichkeit, ihr Aufgriffsrecht auszuüben. Wenn ein Anteilseigner der Casinos einen Anteil verkaufen will, haben die anderen Aktionäre das Recht, zum selben Preis den Anteil zu erwerben. So steht es in den Syndikatsverträgen.

Die Novomatic hat zwar die Hand auf 39,5 Prozent an den Casinos Austria – und fix 18 Prozent an der Casinos-Tochter Lotterien. Dabei geht es aber „nur“ um die Aktien von Uniqa und Leipnik-Lundenburger in der Medial sowie jene der Bablik-Privatstiftung. Deshalb kann die Novomatic nicht selbst agieren, sie muss warten, ob die anderen auf ihr Aufgriffsrecht verzichten. Was vor dem Auftreten der Tschechen als so gut wie fix galt.

Jetzt ist alles anders: Letztlich könnten sie sich 90 Prozent an der Medial sichern, die wiederum 38,3Prozent an den Casinos hält. Womit die Novomatic das Nachsehen hätte, obwohl sie mit rund 470 Mio. Euro deutlich mehr für die Casinos Austria lockergemacht hätte als einst Finanzminister Hans Jörg Schelling, der nach der Übernahme des 33,2-prozentigen Münze-Anteils an den Casinos auch den Rest des Konzerns haben wollte. Schelling bzw. die Staatsholding ÖBIB bot jedoch nur 350 Mio. Euro, was den Anteilseignern zu wenig war.

 

Staat hat auch Vorkaufsrecht

Die ÖBIB hat natürlich auch ein Aufgriffsrecht und kann jetzt mitmischen. Das dürfte sie aber nicht tun, weil Holding-Chefin Martha Oberndorfer bereits mehrfach betont hat, sie werde sich nicht auf eine Preisschlacht einlassen.

Bis dahin arbeitet das Trio Komárek, Šmejc und Goldscheider schon am nächsten Schlag: Ihr prononciertes Ziel ist ein „Österreich-Konsortium“, das letztlich die Mehrheit an den Casinos Austria halten soll. Dazu führt Goldscheider dem Vernehmen nach schon Gespräche mit den Haupteigentümern des Dorotheums: den Familien Dichand und Soravia sowie Investor Michael Tojner. Sie hatten ebenfalls um die Came gerittert, aber zu wenig geboten. Tojner hatte sich überdies im Konsortium mit Century Casinos um eine der drei neuen Spielbanken-Lizenzen beworben, kam aber nicht zum Zug.

Dass der Pakt mit der Dorotheum-Gruppe klappt, ist freilich nicht sicher, zumal es ordentlich politischen Gegenwind gegen die Konstellation geben soll. Weil sich Goldscheider das Wohlwollen von Schelling nicht verlieren will, könnte es letztlich zu einem Casinos-Konstrukt ganz anderer Art kommen: Indem sich das Trio Komárek, Šmeijc und Goldscheider mit der ÖBIB zusammenspannt und so die Mehrheit hat. Was gar nicht so abwegig ist, hat doch Oberndorfer schon im Juli der „Presse“ gesagt, dass Goldscheider nicht abgeneigt sei, auch den Staatsanteil zu übernehmen. Um dann, in einem weiteren Schritt, die Casinos an die Börse zu bringen.

Und was sagt der umtriebige Strippenzieher selbst dazu? Mehr als ein „kein Kommentar“ ließ sich Goldscheider von der „Presse“ nicht entlocken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2015)