Warum die Weltbörsen weiter stottern

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epaselect USA APPLE EVENT(c) APA/EPA/MONICA DAVEY (MONICA DAVEY)
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Langsam wird es fad, aber die Börsenampel zeigt noch immer Rotlicht an. Dax, Dow Jones, Nasdaq:

Alle relevanten großen Börsenindizes stecken seit drei Wochen in einer volatilen Seitwärtsbewegung. Auch der Wiener ATX kann sich diesem Chartmuster nicht entziehen. Seitwärtsbewegung heißt, es geht im Augenblick wenigstens nicht mehr hinunter. Es ist auf der anderen Seite aber keineswegs sicher, in welche Richtung die Kurse diesen Seitwärtskanal verlassen werden. Leicht möglich, dass es noch einmal abwärts geht. Bevor sich dieses Rätsel nicht auflöst, ist Zurückhaltung die richtige Strategie.

Von der fundamentalen Seite her gibt es ja widersprüchliche Signale: Kommt die erwartete Leitzinsanhebung durch die Fed doch schon kommende Woche, dann wird das die Märkte nicht gerade beflügeln. Auf der anderen Seite sorgt aber die Ankündigung der EZB, das Anleihenaufkaufprogramm unter Umständen ausweiten zu wollen, für Aufwärtsdruck in Europa. Es gibt schon wieder Analysten, die glauben, dass dieser Aufwärtsdruck, den die EZB erzeugt, die europäischen Indizes bis Jahresende spürbar anheben werde. Aber nur der EZB-Druck. Von der Konjunkturseite her gibt es wenig Argumente für einen breiteren Aufbruch nach Norden.

Die folgenden Aktienbesprechungen sind also weiterhin unter der Prämisse zu lesen: Wer unbedingt glaubt, jetzt dabei sein zu müssen...

Dem haben wir in der Vorwoche beispielsweise empfohlen, die Präsentation neuer Produkte von Apple(ISIN US0378331005) genau zu verfolgen. Diese hat unter dem üblichen großen Apple-Tamtam in der abgelaufenen Woche stattgefunden. Und es war eigentlich eine Enttäuschung: Technologieführerschaft sieht irgendwie anders aus. Wie auch immer: Apple mag mit dem vom Microsoft Surface Pro abgekupferten Riesentablet nicht Produkt- oder Technologieführer sein. Aber beim Marketing spielen die Kalifornier noch immer absolut in der Champions League. Entsprechend euphorisch haben viele Analysten auf die präsentierten alten Hüte reagiert: Neunzig Prozent der neuen Analysen sagen „Kaufen“ oder Ähnliches. Die Kursziele liegen im Band zwischen 135 und 150. Auf den derzeitigen Kurs von etwas mehr als 110 Dollar bezogen wäre das ein recht nettes Potenzial. Wenn es denn ausgeschöpft wird. In den Tagen nach der Präsentation war von einem echten Kursschub jedenfalls nicht viel zu bemerken. Aber viel schief gehen kann bei Apple wohl auch nicht. Und zum derzeitigen Kurs ist das Papier vergleichsweise günstig zu haben.

Das kann man von der Aktie von Amazon.com(ISIN US0231351067) nicht gerade behaupten: Mit einem KGV von über 100 ist der Internet-Händler recht luftig bewertet. Trotzdem haben Analysten Amazon jüngst zum „neuen Apple“ erklärt. Das wird wohl daran liegen, dass der Kurs des Amazon-Papiers in diesem Jahr bisher um annähernd 80 Prozent zugelegt hat. Und das ist wirklich nicht schlecht in einem Jahr, in dem beispielsweise die Technologiebörse Nasdaq kaum vom Fleck gekommen ist.

Und wie geht es jetzt weiter? Sicher nicht mehr so rasant wie in den ersten Monaten dieses Jahres. Aber viele Analysten-Kursziele liegen in der Gegend von 650 Dollar, was einem Potenzial von fast 20 Prozent entspricht.

Ein kursbewegender Übernahmekampf, den wir hier schon einmal besprochen haben, geht in die nächste Runde: Der Kaliproduzent K+S(ISIN DE000KSAG888) steht weiterhin auf dem Übernahmeradar des kanadischen Konkurrenten Potash Corporation of Saskatchewan. Nachdem ein freundlicher Übernahmeversuch mehr oder weniger gescheitert ist, versuchen es die Kanadier nun offenbar auf die feindliche Tour. Zumindest sollen in Kanada solche Pläne „geleakt“ worden sein. Eine Bieterschlacht würde dem Kurs zweifellos recht guttun. Dieser Meinung sind auch die Analysten, die K+S in der Vorwoche bewertet haben. Sie sehen das bisher vorliegende Angebot (41 Euro je Aktie) als viel zu niedrig an. Das Bankhaus Lampe glaubt, dass K+S 46 Euro wert ist, die Investmentbank Equinet taxiert den deutschen Konzern gar mit 55 Euro pro Aktie. Bei einem aktuellen Kurs von 35 Euro je Aktie ist das ein geradezu gewaltiges Potenzial.

Allerdings: Der feindliche Übernahmeversuch ist derzeit noch in der Gerüchteküche daheim. Sollten die Kanadier die Lust verlieren, dann sieht das Potenzial nicht mehr so prächtig aus. K+S ist derzeit also eine Spekulation für Risikofreudige.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2015)

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