Der Sportwagenhersteller braucht kurzfristig 1,75 Mrd. Euro, Kurs der Aktie bricht ein. Ende April dorhte sogar ein paar Tage lang Insolvenz.
wien/stuttgart (red/ag.). Die Übernahmeschlacht um VW – in deren Rahmen sich der Kurs des größten deutschen Autoherstellers kurzzeitig verfünffachte – hat offenbar nicht nur einige private Spekulanten in arge finanzielle Bedrängnis gebracht, sondern auch den potenziellen Übernehmer Porsche: Der früher höchst ertragreiche Sportwagenhersteller ist vor allem durch gewagte Optionsgeschäfte, mit deren Hilfe er die Übernahme des viel größeren VW-Konzerns „stemmen“ wollte, in ein finanzielles Desaster gestürzt.
Nach deutschen Zeitungsberichten drohte der Sportwagenschmiede Ende April ein paar Tage lang sogar die Insolvenz. Die Sache ist aber noch nicht ausgestanden: Für im Juni fällig werdende Optionsgeschäfte muss Porsche noch einmal 2,5 Mrd. Euro auftreiben. Das ist schwierig, zumal der Sportwagenhersteller schon im vergangenen April Probleme hatte, eine Zehn-Milliarden-Euro-Finanzierung (überwiegend zur Finanzierung von VW-Aktiengeschäften) aufzutreiben. Der Versuch, die jetzt benötigten 2,5 Mrd. Euro bei japanischen Banken aufzutreiben, ist jedenfalls missglückt.
Kurzfristig etwas Luft verschafft hat ein 750-Millionen-Euro-Kredit von VW, durch den der unmittelbare Finanzbedarf jetzt auf „nur“ noch 1,75 Mrd. Euro geschrumpft ist.
Porsche hatte wie berichtet versucht, über komplizierte Optionsgeschäfte eine 75-Prozent-Mehrheit an VW zu übernehmen. Das ist nicht ganz gelungen: Derzeit halten die Stuttgarter etwas mehr als 50 Prozent am VW-Konzern. Die Optionsgeschäfte laufen aber weiter.
Nach Angaben der „Financial Times Deutschland“ halten mehrere Banken große Pakete von Verkaufsoptionen für VW-Aktien. Wenn die in den Markt kämen, dann würde der VW-Aktienkurs drastisch einbrechen. Analysten sehen den realistischen Wert der VW-Aktie schon seit Längerem bei nur 100 Euro – weniger als die Hälfte des derzeitigen Kurses. Übernimmt Porsche die Optionen auch nur teilweise, hat es hohen Finanzbedarf.
In Deutschland hieß es, das Problem wäre am besten durch den Einschuss von frischem Eigenkapital zu lösen, wobei dieses entweder von einem neuen Investor oder von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch kommen könnte.
Die beiden Autofirmen könnten sich jedenfalls bald unter einem Dach wiederfinden: Auf Vorstandsebene laufen derzeit Verhandlungen über eine „mögliche Zusammenlegung der Geschäfte“, hieß es gestern. Einen Zeitplan für den Abschluss der Gespräche gebe es nicht. Bisher ist dafür immer „Anfang Juni“ genannt worden.
Wenig Freude haben die Porsche-Aktionäre mit den aufkochenden Spekulationen um mögliche Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens: Die Aktie des Sportwagenherstellers gab am Montag stark nach und lag tagsüber um rund vier Prozent im Minus. Die Analysten sind relativ uneinig: Die Kursziele für die Aktie reichen von 34 bis 93 Euro, derzeit notiert sie bei rund 43.
AUF EINEN BLICK
■Porsche ist beim Versuch, VW über komplizierte Optionsgeschäfte zu übernehmen, gestolpert. Ablaufende Optionen sorgen nun für riesigen Geldbedarf, ein 750-Millionen-Euro-Darlehen von VW hat etwas Erleichterung gebracht. Der Aktienkurs des Sportwagenherstellers ging am Montag scharf zurück.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2009)