Schnellauswahl

Deutscher Buchpreis ohne österreichische Autoren

39. Tage der deutschsprachigen Literatur
Monique Schwitter las heuer auch beim Bachmannpreis(c) ORF (Johannes Puch)
  • Drucken
  • Kommentieren

Keiner der österreichischen Autoren schaffte es auf die Shortlist des deutschen Buchpreises. Auf der Longlist standen noch vier Österreicher.

Weder Valerie Fritsch, noch Gertraud Klemm, Clemens J. Setz oder Vladimir Vertlib: Keiner der vier Österreicher, die auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2015 standen, schaffte es auf die Shortlist, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Chancen auf den Preis haben dagegen Jenny Erpenbeck, Rolf Lappert, Inger-Maria Mahlke, Ulrich Peltzer, Monique Schwitter und Frank Witzel mit ihren Romanen.

Die sechs für den Deutschen Buchpreis nominierten Romane sind:

  • Jenny Erpenbeck: "Gehen, ging, gegangen"
  • Rolf Lappert: "Über den Winter"
  • Inger-Maria Mahlke: "Wie ihr wollt"
  • Ulrich Peltzer: "Das bessere Leben"
  • Monique Schwitter: "Eins im Andern"
  • Frank Witzel: "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969"

Auch die prominenten deutschen Autoren Ilija Trojanow und Feridun Zaimoglu kamen nicht in die Endauswahl.

Mit dem Grazer Droschl Verlag, der den Roman "Eins im Andern" der in Hamburg lebenden Schweizerin Monique Schwitter herausgebracht hat, ist aber noch ein österreichischer Verlag im Rennen.

Neben Schwitter (43), die als Schauspielerin u.a. am Grazer Schauspielhaus engagiert war und mit Auszügen ihres unkonventionellen Liebesromans beim heurigen Wettlesen um den Bachmann-Preis vertreten war, hat es auch der 56-jährige Schweizer Rolf Lappert ins Finale geschafft. Für seinen Familienroman "Über den Winter" ist er nach 2008 ("Nach Hause schwimmen") bereits zum zweiten Mal auf der Buchpreis-Shortlist.

Frank Witzel zählt zu Favoriten

Für den Grazer Clemens J. Setz ist der 1955 in Wiesbaden geborene Frank Witzel der Top-Favorit. In dessen Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" "stimmt einfach alles", sagte Setz kürzlich im APA-Interview. "Das Buch ist ungewöhnlich, der Autor ist bisher noch nicht so bekannt, sodass der Preis auch einen Effekt hätte, mit Matthes & Seitz wäre es auch ein guter Verlag, der noch nie den Buchpreis bekommen hat, und es trägt ein Stück deutscher Geschichte in sich - das hatten, glaube ich, bisher noch alle."

Jenny Erpenbecks neuer Roman "Gehen, ging, gegangen" scheint in Deutschland das Buch der Stunde: Mit viel Sympathie erzählt die 48-jährige Berlinerin eine berührende Geschichte über die Asylbewerber vom Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg. In Berlin lebt auch Inger-Maria Mahlke (geboren 1977 in Hamburg): Sein Roman "Wie Ihr wollt" über die kleinwüchsige Mary Grey spielt im England des 16. Jahrhunderts.

Der 58-jährige Krefelder Ulrich Peltzer komplettiert mit "Das bessere Leben" (auf Platz fünf der aktuellen ORF-Bestenliste) das Feld. "Bilderstark, vielstimmig und hochpolitisch" stelle sich der Autor mit seinem Roman "grandios der Komplexität der Wirklichkeit", urteilte die Wochenzeitung "Die Zeit".

Sieger wird am 12. Oktober gekürt

Aus dem Finalistenkreis, der von 20 Kandidaten auf sechs reduziert wurde, wird am 12. Oktober in Frankfurt am Vorabend der Buchmesse der Sieger gekürt. Die renommierte Auszeichnung ist insgesamt mit 37.500 Euro dotiert: Der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen Finalisten je 2500 Euro.

Im vergangenen Jahr wurde Lutz Seiler für seinen Roman "Kruso" ausgezeichnet. 2005 hatte der Vorarlberger Arno Geiger für "Es geht uns gut" den ersten Deutschen Buchpreis gewonnen.

(APA)