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Rapid: Außenseiter gegen „Mini-Barcelona“

SOCCER - EL, Rapid vs Villarreal, preview
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Ort)
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Nach Rückschlägen in der Bundesliga möchte sich Rapid auf europäischer Bühne rehabilitieren. Gegen den FC Villarreal wartet eine Herkulesaufgabe. „Sie haben enorme Qualität.“

Wien. Nach der nur knapp verpassten Qualifikation zur Champions-League-Gruppenphase beginnt für Rapid heute im Ernst-Happel-Stadion das Abenteuer Europa League. Die Hütteldorfer empfangen zum Auftakt den spanischen Spitzenklub FC Villarreal (19 Uhr, live in Puls4), weitere Gruppengegner werden Viktoria Pilsen und Salzburg-Bezwinger Dinamo Minsk sein. Zwei Niederlagen in der Meisterschaft (Mattersburg, Altach) haben das grün-weiße Selbstvertrauen zwangsläufig etwas in Mitleidenschaft gezogen, für Trainer Zoran Barišić aber kamen die Enttäuschungen nicht einmal überraschend. „Wir haben das Potenzial und die Möglichkeiten, gegen fast jeden Gegner zu gewinnen. Wenn in unserem Spiel aber etwas nicht passt, dann können wir auch gegen jeden verlieren. Das haben wir eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

Es sind oft Kleinigkeiten, die Spiele entscheiden, vor allem auf internationaler Ebene. „Es darf sich niemand zu schade sein, die Drecksarbeit zu verrichten“, sagte Barišić und forderte von seinen Spielern, gegen Villarreal die womöglich entscheidenden zusätzlichen Meter zu laufen. Die Auftritte gegen Amsterdam und Donezk sind dafür beispielhaft. „Da haben wir gezeigt, dass wir als Außenseiter keine schlechte Figur abgeben.“ Dass Stürmer Roberto Soldado die Reise nach Wien nicht antrat, nahm Barišić zur Kenntnis, zur allgemeinen Beruhigung trug die Nachricht aber nicht bei. „Villarreal ist ein europäisches Spitzenteam, das sehr gut mit dem Ball umgehen kann. Sie haben enorme Qualität.“

Diese Erfahrung machte im Frühjahr auch Salzburg, das im Sechzehntelfinale der Europa League an Villarreal (1:2, 1:3) scheiterte. „Dieses Team ist Weltklasse“, befand der Salzburger Marcel Sabitzer damals. Die Spanier haben sich nach den Abgängen etlicher Leistungsträger (Vietto, Dos Santos, Uche, Tscheryschew) personell zwar grundlegend verändert, „aber ihre Spielweise ist die gleiche geblieben“, meinte Barišić, der die Castellonier als „Mini-Barcelona“ bezeichnete und deren konsequente Nachwuchsarbeit lobte. „Sie bringen immer wieder Spieler aus den eigenen Reihen hervor, haben in den vergangenen Jahren die Früchte dieser Arbeit geerntet. Sie dienen uns auch als Vorbild.“

 

Tugenden des Erfolgs

Bei Rapid ist man sich der Schwierigkeit der Aufgabe bewusst. Christopher Dibon, der nach der Sperre von Mario Sonnleitner mit Maximilian Hofmann („wir harmonieren gut“) die Innenverteidigung bildet, rechnet mit einem offensiv eingestellten Gegner. „Eine spanische Mannschaft“, bemerkte Dibon, „versteckt sich nie.“ Bloß wie kann Rapid die Spanier fordern? „Wir müssen rennen, kratzen, beißen, bis zum Umfallen. Wir müssen ihnen den Spaß am Kicken nehmen.“

Doch das gelbe U-Boot, wie der Verein aufgrund seiner Trikotfarbe genannt wird, ist längst nicht nur in der Offensive eine Wucht. Defensiv lässt die Mannschaft von Taktikfuchs Marcelino García meist wenig zu. „Sie sind ungemein variabel, können sich auf jeden Gegner einstellen“, erkannte Barišić, der seine Entscheidung, wer im Angriff beginnen wird, Mittwochmittag noch nicht getroffen hatte. „Gegen Villarreal brauchst du einen großen, kräftigen, schnellen, starken, torgefährlichen Stürmer“, bemerkte der Wiener, leicht schmunzelnd. Womöglich erhält Berić-Ersatz Matej Jelic seine erste Chance im Rapid-Trikot. Für seinen slowakischen Ex-Klub MSK Zilina erzielte Jelic in acht Europa-League-Qualifikationsspielen sieben Tore.

Rapid kann sich in der Gruppenphase der Unterstützung der Fans gewiss sein. Bis Mittwoch waren über 28.800 Dreier-Abos verkauft, gegen Villarreal hofft man auf insgesamt 35.000 Zuschauer im Happel-Stadion. Für jedes verkaufte Ticket geht ein Euro an die europaweite Flüchtlingshilfe.


MÖGLICHE AUFSTELLUNGEN

Rapid: Novota – Auer, Dibon, M. Hofmann, Stangl – Grahovac, Schwab – Schaub, S. Hofmann, F. Kainz – Alar.

Villarreal: Areola – Gaspar, Bonera, Ruiz, Costa – Nahuel, Trigueros, Soriano, Castillejo – Adrian, Bakambu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2015)