Sporteln ist wie Zähneputzen

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Für manche ist Training eine Art Automatismus. Für mich (noch) nicht.

Jeden Morgen stehen wir auf – mal früher, mal später, mal fit, mal fertig, mal gut, mal schlecht gelaunt. Doch egal, ob uns danach ist oder nicht, eines würden wir nie in Frage stellen: das morgendliche Training. Denn: Sporteln ist wie Zähneputzen.

Der Vergleich stammt nicht von mir. Kann er auch gar nicht. Denn einen Trainingsautomatismus habe ich noch nicht entwickelt. Ich wäge noch immer ab. Auf mein Sportverhalten haben mein Schlafpensum, meine Laune, mein Stresslevel, mein Terminkalender und das Wetter Auswirkung. Ich gebe zu: Das macht es schwer, langfristig Kontinuität in mein Training zu bringen. So fing ich an, über den Zähneputz-Vergleich, den ich zuletzt mehrmals gehört habe, nachzudenken. Als Erster sprach ein Arbeitskollege davon. Er wollte mich mit dem Vergleich motivieren, gleich nach dem Aufstehen in die Laufschuhe zu schlüpfen. In den Morgenstunden finde man am einfachsten Zeit. Abends werden Trainingspläne oft verworfen, so seine Theorie. Der Argumentation kann ich durchaus etwas abgewinnen. Rein theoretisch. Praktisch klappt es nicht immer, in der Früh zu trainieren, aber immerhin schon deutlich öfter. Und so stand ich diese Woche bereits zum wiederholten Male um sieben Uhr morgens im Training. Dort war es eine Kollegin, die den Zähneputz-Vergleich anstellte. Sie denke nicht mehr darüber nach. Sie komme einfach hierher. Zur Spitze hat die Parallele aber wohl Extremläufer Christian Schiester getrieben: „Seit dem 16. Juni 1989 bin ich jeden Tag gelaufen. Ohne Ausnahme. Für mich ist Laufen wie Zähneputzen“, sagte er vor einigen Jahren in einem Interview.

Ich merke mittlerweile, dass auch meine Gründe – um nicht von Ausreden zu sprechen –, weshalb ich es heute nicht schaffe, zu trainieren, weniger werden. Der Sport wird zu einer Art Routine. Den Vergleich mit dem Zähneputzen möchte ich aber bewusst nicht anstellen. Denn zwei Mal täglich werde ich nicht trainieren.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2015)

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