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Asyl: Ein Schauspiel namens Gabčíkovo

(c) APA/HERBERT P.OCZERET (HERBERT P.OCZERET)
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Ein kleiner Ort in der Westslowakei sollte das Lager in Traiskirchen entlasten. Doch bisher lief nichts nach Plan.

Wien. „Die Lage hier ist nicht gut. Das Camp ist überfüllt und sie haben uns mit 14 anderen Familien in einen 200 Quadratmeter großen Raum gesteckt“, schreibt ein zweifacher irakischer Familienvater und Arzt der „Presse“ aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen. Die Situation sei weiter angespannt, Entlastung geboten, meint auch das Innenministerium. Einen Plan dafür gibt es. Seit Juli. 500 Asylwerber aus Traiskirchen sollen vorübergehend, bis zum Bescheid, in der Technischen Universität im westslowakischen 5000-Einwohner-Ort Gabčíkovo untergebracht werden. Die ersten wurden im Juli, dann im August, später Anfang September erwartet. Es kam immer anders.

Das Innenministerium in Bratislava ist entnervt: „Zweimal wurden Termine abgesagt, bei denen bereits das Essen für die Flüchtlinge in Gabčíkovo vorbereitet war“, sagt Sprecher Ivan Netík Donnerstagvormittag zur „Presse“. Das sei „nicht sehr nett“ von Österreichs Behörden. „Uns ist es auch egal, aus welchen Lagern die Flüchtlinge kommen“, ergänzt er, während es in Österreich die nächste Meldung über einen abgesagten Transport gibt. 42 Syrer aus dem Zeltlager in Krumpendorf sollten nach Gabčíkovo gebracht werden, denn „wir brauchen die Ressourcen dort wegen der Neuankünfte“, sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. Der Flüchtlingsstrom mündet nun ja in Österreichs Süden. Die Flüchtlinge wollten nicht. Also stellten NGOs Ersatzquartiere auf. Wieder nichts mit Gabčíkovo.

Die am 21. Juli vereinbarte Asylkoordination mit der Slowakei stand von Anfang an unter keinem guten Stern. 97 Prozent der Bewohner Gabčíkovos lehnten die Pläne ab. Premier Robert Fico setzte sich (nach Zögern) über die Befragung hinweg. Die Bürger sollen nun aber mit einem besseren Kamerasystem im Ort beruhigt werden. Dann das nächste Problem: Die Gründung eines slowakischen Ablegers der österreichischen Flüchtlingsorganisation ORS zog sich in die Länge (ORS ist vor Ort für Sicherheit und Betreuung zuständig). Bratislava erklärte, es warte auf Dokumente aus Österreich, wo erwidert wurde, man warte auf die slowakische Genehmigung. Am 8. September wurde sie erteilt. Schon davor dürfte man im Innenressort aber erkannt haben, dass der größte Fallstrick anderswo lauert: Asylwerber haben genauso wenig Interesse an Mittelosteuropa wie die Staaten dort an deren Aufnahme. Zwingen kann man niemanden.

 

Freiwillige gesucht

Die Asylwerber sollen nun in Informationsgesprächen für Gabčíkovo erwärmt werden. Was für den Ort spreche? „Eine adäquate Unterkunft“, sagt Grundböck. In Traiskirchen gebe es ja teils Zelte. Mitgrund für das geringe Interesse seien die Bilder aus Ungarn und dass der Eindruck entstanden sei, Deutschland nehme alle auf, sagt Grundböck. Wobei im Smartphone-Zeitalter den Asylwerbern auch die Haltung der Slowakei nicht entgangen sein dürfte, die in der Aussage gipfelte, man akzeptiere nur Christen.

Gestern trafen dann doch erste Asylwerber in Gabčikovo ein. 18 Syrer wurden aus Salzburgs Schwarzenbergkaserne in den Ort gefahren. Den ersten Transport aus Traiskirchen sollte es erst geben, wenn sich 50 Asylwerber gefunden haben. Auch dieser Plan wurde noch am selben Tag verworfen, als die Ersten aus Traiskirchen nach Gabčíkovo gebracht wurden: Es waren sechs Asylwerber an der Zahl.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2015)