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Seltener Gast im Musikverein: Argerichs Adel verpflichtet

Martha Argerich(c) imago/Xinhua (imago stock&people)
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Martha Argerich und die Staatskapelle Berlin unter Barenboim: pointierter Beethoven, schwelgerischer Elgar.

Noblesse oblige: Wenn schon, dann auch eine ordentliche Zugabe! Für Soloabende bringt Martha Argerich kein Interesse mehr auf und mag nur noch mit ausgesuchten Partnern musizieren. In Wien ist die Meisterpianistin leider ein seltener Gast geworden, hat sich aber zuletzt bei den Festwochen mit Gidon Kremer für Mieczysław Weinberg eingesetzt. Nun kehrte sie mit Beethovens Zweitem Klavierkonzert wieder – und weil am Pult der Staatskapelle Berlin Daniel Barenboim stand, ihr von Kindesbeinen an bekannter, vor Kurzem nach jahrelanger Pause neu gewonnener musikalischer Inspirationsgeber, setzte man sich schließlich gemeinsam ans Klavier. Bei Franz Schuberts poetisch-umfangreichem A-Dur-Rondo D 951 schattierte sie den Secondopart in gewohnt sensibler Weise, während er die melodischen Arabesken zärtlich darüberlegte: ein wunderbarer Ausblick auf den Musikverein-Duoabend der beiden im kommenden April, bei dem vor Strawinskys „Sacre du printemps“ Werke von Mozart und Schubert zu hören sein werden.

In Beethovens zum Teil schalkhaftem B-Dur-Konzert war zuvor zu erleben, dass Argerich auch dann eine außerordentliche Musikerin bleibt, wenn sie nicht ideal entspannt antritt – vielleicht die unerwünschte psychologische Nebenwirkung einer Vielzahl von Mikrofonen auf dem Podium. Dennoch: Nach fein modellierten motivischen Wechselspielen im Kopfsatz und den traumverlorenen letzten Adagio-Takten prägte sich v.a. Argerichs pointierter Umgang mit den tänzerisch-lockeren Aufmüpfigkeiten des Finales ins Gedächtnis ein. Adel verpflichtete auch nach der Pause. Wenn schon eine der bei uns raren Aufführungen von Edward Elgars Erster Symphonie, dann darf auch opulent, ja manchmal sogar etwas pompös geschwelgt werden. Kräftig, aber nie zu dick mischte Barenboim die Farben dieses Orchestergemäldes im Großformat: große Begeisterung. (wawe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2015)