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Rapid: Zwei Tore mitten ins Südstädter Herz

FUSSBALL TIPICO BUNDESLIGA: SK RAPID WIEN - FC ADMIRA WACKER M�DLING
Rapid(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Rapid besiegte die Admira nach starker Vorstellung mit 2:0. Für die Hütteldorfer war es der erste Erfolg gegen die Südstädter seit 22 Monaten, beide Treffer erzielten Ex-Admiraner.

Wien. Nur 70 Stunden nach den Europa-League-Strapazen standen Rapids Fußballer erneut auf dem Rasen des Happel-Stadions. Der Gegner war diesmal kein Topklub aus der hochgelobten spanischen Primera Division, sondern die Admira. An den Südstädtern haftet seit Ewigkeiten das Image der grauen Maus, doch in der laufenden Saison bekennen die Niederösterreicher Farbe. Die Entwicklung der Admira ist überraschend und erstaunlich, „dort wird richtig gute Arbeit geleistet“, erkannte im Vorfeld des Duells auch Rapids Trainer Zoran Barišić.

Vergleiche zwischen Rapid und Admira gelten selten als Spitzenspiel, insofern war die Begegnung Sonntagnachmittag eine echte Rarität. Tabellenführer Admira hatte ursprünglich den Plan, sich nicht zu verstecken, doch die Lockerheit der ersten acht Runden schien irgendwie verflogen. Die Gäste hatten wenige Spielanteile, man ließ Rapid gewähren, kombinieren. Insgeheim hatte die Baumeister-Elf wohl auch auf müde Wiener Beinen spekuliert, doch die Hütteldorfer marschierten. Siege sind eben immer noch die beste Medizin gegen Müdigkeit.

 

Reine Kopfsache

Obwohl dominant vergingen 36Minuten, ehe Rapid die erste Topchance vorfand. Nach einer Flanke kam Steffen Hofmann im Strafraum unbedrängt zum Kopfball, doch der Deutsche bevorzugt immer noch den Ball am Fuß, das wurde in dieser Szene deutlich. Hofmann machte unabhängig davon ein starkes Spiel, er fungierte als Denker und Lenker, war der personifizierte Lautsprecher auf dem Platz. Dass der mittlerweile 35-Jährige ein ausgewiesener Spezialist für Standardsituationen ist, zeigte sich in der 42. Minute: Einen perfekt getretenen Freistoß Hofmanns verwandelte Ex-Admiraner Stefan Schwab per Kopf zum 1:0.

Der Rückstand animierte zu Beginn der zweiten Halbzeit kurzzeitig auch die Admira, am Spiel teilzunehmen. Innerhalb von nur drei Minuten fand Dominik Starkl, ein Ex-Rapidler, zwei große Möglichkeiten zum Ausgleich vor, beide Male rettete Torhüter Ján Novota in höchster Not.

Unmittelbar danach war es auch schon wieder vorbei mit der Südstädter Herrlichkeit, Rapid hatte das Spiel fortan fest im Griff. Verfehlte Dibons Versuch in der 53. Minute das Ziel noch knapp, war wenig später alles entschieden. Nach einem Kainz-Eckball schraubte sich der Innenverteidiger in die Höhe, seinen wuchtigen Kopfball konnte Jörg Siebenhandl nicht entschärfen (66.). Wie Schwab hat auch Dibon eine Vergangenheit im Süden Wiens, er hat dort einst sogar die Kapitänsbinde getragen. Doch die Admira ist Geschichte, die Gegenwart heißt Rapid. „Die Admira wird immer etwas Besonderes bleiben, aber jetzt bin ich bei Rapid. Deswegen feiere ich auch jedes Tor“, sagte Schwab.

Mit dem ersten Sieg über die Niederösterreicher seit einer gefühlten Ewigkeit (November 2013, 4:2) haben die Wiener die Tabellenführung wiedererobert, die Zukunft könnte rosig sein. Schwab: „Wir wollen da oben bleiben.“

 

Salzburg, die Unbekannte

Der Kampf um die Meisterschaft verspricht Spannung. Auch, weil Salzburg nicht wie schon des Öfteren in der Vergangenheit der Konkurrenz frühzeitig enteilt ist. Im Gegenteil, im ersten Saisonviertel kämpfte der Meister damit, den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren. Mit 15 Punkten aus neun Spielen sind die Salzburger bislang nicht der von allen gefürchtete Gegner, sie liegen gar nur auf Rang vier. Es ist dies der schlechteste Start für die Bullen seit 2010, als sie gar nur zwölf Punkte aus den ersten neun Liga-Partien geholt hatten. Damals musste sich Salzburg am Meisterschaftsende drei Punkte hinter Sturm Graz mit Platz zwei begnügen. Trainer Huub Stevens war aufgrund fehlender Erfolge schon eineinhalb Monate zuvor durch Ricardo Moniz ersetzt worden.

Rapid, Austria und Co. wittern ihre Chance, Salzburg scheint in dieser Saison tatsächlich bezwingbar, das haben die ersten neun Runden gezeigt. Der personelle Einschnitt in der Sommerpause hat seine Wirkung nicht verfehlt, auch Trainer Peter Zeidler scheint in Wals-Siezenheim immer noch nicht richtig angekommen zu sein. Für Salzburg spricht das Wegfallen der Doppelbelastung, das Team wird sich in den kommenden Monaten gewiss steigern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2015)