Opel ist keine US-Tochter mehr

(c) AP (Martin Meissner)
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Der Aufsichtsrat beschließt die Loslösung von GM. Die Entscheidung über den neuen Eigentümer dauert länger, vorerst soll Opel von einer Treuhand-Gesellschaft geführt werden, die von der Bundesrepublik Deutschland und GM eingerichtet wird.

Wien (jaz/ag.). Genau 80 Jahre, zwei Monate und zehn Tage hielt die Verbindung des US-Autokonzerns General Motors (GM) mit seiner deutschen Tochter Opel. 1929 war die Weltwirtschaftskrise der Grund für den Verkauf des damals größten deutschen Autoherstellers an die Amerikaner. Und auch jetzt ist es eine globale Krise, die die beiden Konzerne dazu bringt, ihr Glück wieder getrennt voneinander zu suchen. Am Mittwoch beschloss der Aufsichtsrat von General Motors Europe die Übertragung sämtlicher Rechte, Patente und Werke von Opel und der britischen Schwesternmarke Vauxhall an die Adam Opel GmbH.

Damit macht GM den Weg frei, damit Opel mit einem neuen Eigentümer und der Hilfe des deutschen Staates einen Neustart versuchen kann. Zudem haben die Gläubiger von GM angesichts der bevorstehenden Insolvenz des US-Autokonzerns keinen Zugriff mehr auf die Vermögensgegenstände von Opel. Mit dem Hauptgläubiger von GM – dem amerikanischen Staat – dürfte diese Vorgangsweise akkordiert sein.

Vorerst soll Opel von einer Treuhandgesellschaft geführt werden, die von der Bundesrepublik Deutschland und GM eingerichtet wird. Diese soll so lange bestehen bleiben, bis einer der Opel-Interessenten den endgültigen Zuschlag erhält. Dies dürfte noch einige Tage oder sogar Wochen dauern. Mittwochabend berieten bei einem Gipfeltreffen in Berlin Vertreter von GM und den Bietern unter Leitung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Zukunft des Unternehmens. Die Gespräche dürften mit zumindest zwei der Interessenten weitergeführt werden.

Magna und Fiat haben beste Chancen

Die besten Chancen dürften dabei Magna und Fiat haben. Über das Konzept des US-Finanzinvestors Ripplewood ist bislang wenig bekannt. Die Erfahrungen aus der Übernahme von Chrysler durch den Investor Cerberus vor zwei Jahren – Chrysler ist inzwischen in Insolvenz – dürften jedoch nicht gerade für einen Investor ohne industriellen Hintergrund sprechen. Und das überraschend am Dienstagabend eingetroffene Angebot des chinesischen Autoherstellers BAIC scheint ebenfalls keine guten Karten zu haben. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ soll das Angebot für GM nicht ernst genug und der Verkaufsprozess bereits zu weit fortgeschritten sein.

Doch auch bei Magna und Fiat gibt es noch genügend Kritikpunkte. So wird der austrokanadische Zulieferer Magna von den deutschen Politikern zwar weiterhin als Favorit gesehen. In den Bewertungen kommt Magna jedoch nicht gut weg, berichten deutsche Medien. So will Magna nur wenig Eigenkapital direkt investieren, sondern eine Wandelanleihe von Opel zeichnen. Deshalb sei der Autohersteller nach einer Übernahme durch Magna von Anfang an überschuldet, so der Tenor der Berichte. Von Magna wird diese Darstellung zurückgewiesen. Man wolle durch die Anleihe lediglich sicherstellen, dass das Kapital mit den Vermögensgegenständen von Opel abgesichert sei und es keine Schlechterstellung gegenüber den Banken gibt.

Aber auch bei Fiat gibt es weiterhin große Bedenken. Vor allem die Belegschaftsvertreter von Opel machen Stimmung gegen die Italiener, da sie nach einer Übernahme durch Fiat einen besonders großen Abbau von Arbeitsplätzen befürchten. Fiat hat zwar – wie alle anderen Bieter – eine Bestandsgarantie für die vier deutschen Opel-Werke gegeben. Zu kräftigen Einschnitten bei der Belegschaft dürfte es jedoch kommen. Davon dürfte auch das Motorenwerk in Wien-Aspern betroffen sein. Laut an die Öffentlichkeit gesickerten Plänen könnte dort die Hälfte aller Jobs wegfallen.

Die endgültige Verkaufsentscheidung muss GM treffen. Allerdings kann ein Verkauf von Opel nur mit Hilfe deutscher Staatshilfen erfolgen. Proteste kommen indes von Belgien, wo auch ein Opel-Werk steht. Dieses sei von der Schließung bedroht, da Deutschland den Erhalt der deutschen Werke zur Bedingung macht. Belgien fordert daher ein Vermitteln der EU.
Meinung, Seite 31

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2009)

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