Basketball: Streiten anstatt zu dribbeln

(c) Reuters (Rick Wilking)
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Gmunden trifft im Finale auf Wels, ein Strafverfahren aber überschattet alles.

GMUNDEN/WIEN. Basketball ist eine Weltsportart, findet sich in Österreich aber im Segment der sogenannten Randsportarten wieder. In der Herrenbundesliga spielen zwölf Klubs, die Hochburgen sind Gmunden, Wels, Fürstenfeld und Oberwart. Der Bezahlsender Premiere überträgt ein Livespiel pro Runde. Das idyllische Bild der Kleinstädte, die anhand des US-Sports Sportfeste feiern, wird aber von Streitereien und Strafverfahren getrübt. Der Wirbel droht sogar, die heute in Gmunden startende Finalserie gegen Wels (Aufwurf: 19.30 Uhr) zu überschatten.

So sehr sich die Vereine auch bemühen, Werbung in eigener Sache zu betreiben und Kinder mit Probetrainings und Nachwuchsligen zum Sport zu bewegen – der Disput zwischen Liga, deren Präsidenten Norbert Steger, Schiedsrichtern und Fürstenfeld-Chef Harald Fischl stellt Österreichs Basketball kein gutes Zeugnis aus.

Entscheidungen wurden angezweifelt, Referees wollten daraufhin streiken, wurden deshalb gesperrt oder kurzerhand vom Verband ÖBV wieder besänftigt. Es folgten dennoch Beschimpfungen und gegenseitige Schuldzuweisungen, letztlich endete der Streit mit einem Fast-Abbruch des Halbfinalspiels Wels gegen Titelverteidiger Fürstenfeld und zwei Strafverfahren. Der BZÖ-Politiker Fischl wird wegen Ligaschädigung und Beleidigung geklagt. Er soll Steger, den ehemaligen FPÖ-Vizekanzler, der Lüge bezichtigt haben...

Mit Kritik und Druck sind Österreichs Schiedsrichter längst vertraut. Auch in der Damenliga, etwa bei Post SV, dem Stegers Gattin Helga als Managerin vorsteht, wurde in der Vergangenheit nicht jeder Pfiff nahtlos akzeptiert. Neu ist auch nicht, dass ein Klubpräsident gegen Steger rebelliert. Den letzten Anlauf hatte Herwig Pedotnig, Manager der Welser Damen, gewagt – und verloren.

Kraftakte bräuchte Österreichs Basketball dringend, aber auf dem Spielfeld. Das Nationalteam spielt in der dritten Leistungsstufe, die im Fachjargon zur „Division B“ aufgewertet wird. Auch Klubs spielten zuletzt im Europacup untergeordnete Rollen. Gmunden – immerhin Österreichs einziger internationaler Starter – kassierte in der Euro-Challenge sechs Niederlagen in sechs Spielen.

Garantiert spannender Basketball hingegen ist ab heute in der Finalserie zu sehen. In allen bisherigen Playoff-Duellen zwischen Gmunden und Wels gewann stets das Team vom Traunsee mit 3:1-Siegen. Volle Hallen und gute Stimmung sind gewiss – ein neuer Meister ebenso.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2009)

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