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Donald Duck, 1934–2009

In den USA verstarb die menschlichste Ente im Alter von 75 Jahren.

Sein Ende kam plötzlich. Die in den USA spärlich gewordene Fangemeinde hätte zu seinem 75. Geburtstag noch gerne den Erinnerungsband „Donald Duck: 75 Unlucky Years“ erscheinen gesehen. Aber, typisch für einen Pechvogel: Auch dieses letzte Andenken war ihm verwehrt. Von einem Tag auf den anderen gab der amerikanische Verleger Gemstone bekannt, keine Donald-Geschichten mehr zu veröffentlichen. Einst hatte in glücklichen Zeiten der vertreibende Verlag Gladstone geheißen, benannt nach dem englischen Namen von Donalds Vetter Gustav Gans, dem Schoßkind des Glücks. Doch auch dieser hat seine Hasenpfote verloren.

Seine beste Zeit hatte Donald in der Tat schon vor mehr als 40 Jahren: Ende der 60er-Jahre entschied sein eigentlicher Vater, der geniale Zeichner und Geschichtenerzähler Carl Barks, mit dem Verfassen von Episoden im Entenhausener Kosmos, bevölkert von Donald und seiner ewigen Freundin Daisy, von den drei Neffen und dem grandios konzipierten Hyperkapitalisten Dagobert, von den Panzerknackern, „Mitglieder im Interessenverband der Ein- und Ausbrecher“, und von Barks Lieblingsfigur, dem Erfinder Daniel Düsentrieb („Schwarzes Licht – macht helle Räume dunkel“, dies nur eine seiner Kreationen) aufzuhören. Barks war wirklich ein visionärer Künstler. So hatte er schon 1961, fünf Jahre vor der Geburt des „Star Trek“, als Anton Zeilinger noch in die Schule ging und niemand vom „Beamen“ eine Ahnung hatte, in der köstlichen Geschichte „Stranger than Fiction“ Düsentrieb zwei fleischwolfartige Geräte erfinden lassen, welche die „drahtlose Übertragung von Materie“ ermöglichen, und daraus eine herrliche Satire entwickelt, worin Donald beim Beamen ins unvermeidliche Unglück gerät und zum Abschluss ein Psychoanalytiker, der mit einem aufklappbaren Bett aufkreuzt, verulkt wird.

Trotz aller Skurrilitäten hatte Carl Barks das Empfinden vieler Menschen seiner Zeit sehr subtil zum Ausdruck gebracht. Wenn Donald als armer Straßenkehrer den ökonomischen Aufschwung an sich vorbeiziehen sieht und lapidar meint: „Nichts als Wirtschaftswunder und Wirtschaftswundermänner, wohin man schaut! Trotzdem muss einer den Schmutz wegkehren, der dabei anfällt.“ Oder wenn er, in der Rushhour auf Entenhausens Fifth Avenue zwischen all den „smart boys“ watschelnd, sich angesichts seines Versagens als Versicherungsvertreter Vorwürfe macht: „Ich bin eben für alles zu unbegabt! Und ich möchte es doch so gern zu etwas bringen... Damit Tick, Trick und Track stolz auf mich sein können. Die Kinder leiden seelisch so unter meinen beruflichen Misserfolgen.“

Nur selten gelingt es den Epigonen von Barks, Geschichten zu entwerfen, die sein Niveau erreichen. Und selbst wenn dies der Fall ist: In den USA werden sie kaum verlangt. Sie passen nicht in Obamas Amerika.

Donalds Zeit ist dort vorbei. Und die Glühbirne von Düsentriebs Helferlein ist bei uns politisch unkorrekt geworden.

Rudolf Taschner ist Mathematiker und Betreiber des math.space im Wiener Museumsquartier.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2009)