Wiener Grüne: Mit Gummihai auf Wählerjagd

Klubobmann David Ellensohn und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou in der Hetzgasse 8. [
Klubobmann David Ellensohn und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou in der Hetzgasse 8. [(c) APA/GRÜNE WIEN

Mit einem aufblasbaren Hai traten die Grünen am Dienstag vor der Hetzgasse 8 gegen Immobilienspekulation auf. Die Besitzerin wehrt sich gegen die Vorwürfe der Partei.

Wien. Wie fällt man auf? Zum Beispiel mit einem fünf Meter großen aufblasbaren (Miet)Hai. Mit dem ziehen die Grünen durch die Stadt, um vor angeblichen Spekulationsobjekten Stimmung für ihr Kernthema, das Wohnen, zu machen. Das erste Mal wurde am Dienstag vor dem Haus in der Hetzgasse 8 im dritten Bezirk haltgemacht, um das sich seit Wochen Diskussionen und Proteste drehen. Der ehemalige atypische Gemeindebau wurde 2001 von der Stadt verkauft, heute lebt nur mehr eine Partei dort. Die Besitzer wollen keine Sanierung, sondern das Haus abreißen. Eine Bürgerinitiative protestiert dagegen, Unterstützung bekamen sie von dem Parteienbündnis Wien anders und jetzt auch von den Grünen – „Die Presse“ berichtete.

Die Besitzerin des Hauses, Ingrid Soulier, hat mit dem Gummihai vor der Tür keine Freude und verwehrt sich massiv gegen den Vorwurf der Immobilienspekulation oder dagegen, dass sie Mieter rausekeln würde. Bis vor drei Jahren, als sie das Haus aus der Stiftung ihres Vaters gekauft hatte, hätte sie nichts mit dem Haus zu tun gehabt. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch drei Parteien im Haus. „Es handelt sich hier nicht um ein Altbaujuwel, sondern um ein Substandardhaus, in dem die Mehrzahl der Wohnungen Wasser und WC am Gang sowie keine Heizung haben“, sagt sie zur „Presse“. Eine Sanierung sei aus ihrer Sicht nicht zielführend. Man habe sich mit allen Mietern einigen können, ihnen hohe Ablösen bezahlt und geholfen, eine neue Wohnung zu finden. Nur diese eine verbleibende Partei sei in keinster Weise gesprächsbereit gewesen – auch ihr wurden 120.000 Euro Ablöse angeboten. „Aber hier wird nicht mehr sachlich diskutiert, das Haus in der Hetzgasse ist zum politischen Symbol all jener geworden, die Kapitalismus an sich als böse empfinden. Was wir hier tun wollen, und ob das tatsächlich einen Mehrwert für das Grätzel und viele neue Mieter bringen könnte, danach fragt niemand.“

 

Erweiterte Schutzzone gefordert

Angedacht ist ein fünfstöckiges Haus mit 56Mietwohnungen, alle mit Balkonen, Loggien oder Eigengärten ausgestattet. Im Hof soll ein Kinderspielplatz entstehen. Um dieses Projekt doch umsetzen und den dafür nötigen Abriss erwirken zu können, wurde ein Interessenbescheid bei der Stadt beantragt. Unterstützt wird sie dabei – etwas überraschend – vom Bezirk. Bezirksvorsteherstellvertreter Rudolf Zabrana (SPÖ) hat sich in einer Erklärung für den Abbruch ausgesprochen. Andererseits hat die SPÖ in der Bezirksvertretungssitzung den Antrag für die Ausweitung einer Schutzzone beantragt und beschlossen.

Diesen Antrag wollen nun die Grünen heute im Gemeinderat einbringen. Eine Schutzzone hieße zwar noch immer nicht, dass das Haus nicht abgerissen werden könne, allerdings nur mit Zustimmung der Baupolizei, die die technische Abbruchreife feststellen müsste. Das bedeutet, dass ein Haus in einem derart schlechten Zustand ist, dass es nicht mehr renoviert werden kann. Auch diese „technische Abbruchreife“ möchte Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou abschaffen, damit es sich nicht rentiere, Gebäude verfallen zu lassen.

Das ist nur einer von mehreren Grün-Vorschlägen, um Altbestände vor Spekulation zu bewahren. So plädiert die Partei für ein Frühwarnsystems. Wenn es auffällige Vorkommnisse in einem Haus gibt – etwa Mobbing durch den Vermieter oder unterlassene Sanierungen, sollen zuständige Stellen nicht nur alarmiert, sondern auch tätig werden. So könnten vom Magistrat überfällige Sanierungen beauftragt und durchgeführt werden. Vassilakou: „Man kann Miethaien das Handwerk legen. Man muss sich nur trauen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2015)