Fünf Jahre DJ-Kollektiv Brunnhilde

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Gefunden haben sich die sechs Wiener DJanes in der Brunnenpassage. Heute legen sie im Café Leopold auf – und machen den Männern Konkurrenz.

Nein, beim Namen Brunnhilde ist niemandem ein Fehler unterlaufen: Das zweite N kommt von der Brunnenpassage in Ottakring – einem Kunst- und Sozialraum der Caritas. Dort haben sich die sechs weiblichen DJs, die zu dem Kollektiv gehören, vor inzwischen fünf Jahren gefunden, was sie heute Abend im Café Leopold gebührend feiern (siehe Factbox). Dass sich der Name an eine Figur aus der germanischen Mythologie anlehnt, ist natürlich auch kein Zufall.

Nicht nur, dass die mythologische Brunhilde als stark, mächtig und kühn gilt – irgendwie passend für ein Projekt, das Frauen den Einstieg in das männerdominierte DJ-Metier ermöglichen will. „Wir fanden es auch witzig, ausgerechnet diesen Namen mit Frauen aus unterschiedlichen Ländern zu füllen“, sagt Ivana Pilić, künstlerische Leiterin der Brunnenpassage. Denn die DJanes sind nicht nur ausschließlich Frauen – fast alle haben auch ausländische Wurzeln.

Geplant war das Kollektiv nicht, als die Brunnenpassage einen Lehrgang für zwanzig junge Frauen anbot. „Es ist aus so einem Gefühl heraus entstanden“, sagt Petra Grošinić (28), die als als DJ CounTessa vor allem Hip-Hop, R'n'B und Reggaeton auflegt: „Wir haben im Lehrgang sechs Monate lang viel aufgelegt – und dann haben einige von uns gedacht: Ich will nicht, dass es vorbei ist.“ Heute sind noch sechs Frauen dabei, mit Hintergründen von Kroatien über Polen bis Korea und mit Musikstilen von Elektro über Funk bis Balkan. „Jede von uns spielt eine andere Musik“, sagt Kamila Pawlowska (33), die als DJ Kamila vor allem Techno und House auflegt. „Das ist sicherlich eines unserer Merkmale: Ich kenne zumindest in Österreich kein anderes DJ-Kollektiv, das derart vielfältig ist, was die Musikstile angeht.“

Pawlowska ist eine derjenigen, die inzwischen versuchen, von der Musik zu leben: Die Kindergartenpädagogin hat im Jänner ihren Job gekündigt. Das Problem: „Vom Auflegen kann man in Österreich nicht wirklich leben.“ Die gebürtige Polin fängt daher auch an, Musik zu produzieren. Petra Grošinić – die lange nebenbei im elterlichen Friseurgeschäft gearbeitet hat – ist inzwischen in der Brunnenpassage beschäftigt und für die Buchungen des Kollektivs zuständig. Seit der Gründung sind die DJanes rund 370-mal aufgetreten – die Auftritte reichen von der Kinderdisco im Gemeindebau über Firmenfeiern und Hochzeiten bis zu MQ, Pratersauna und Popfest. Zuletzt legten drei von ihnen beim Europäischen Forum Alpbach auf. Grošinić: „Egal, wo: Uns ist wichtig, dass alle Spaß haben.“

„Die Männer schauen genau hin“

Und die männlichen Kollegen? „Es hat lang gedauert, bis ich mir einen gewissen Respekt bei den DJs erarbeitet habe“, sagt Petra Grošinic. „Man spürt natürlich nach wie vor, dass sie genau hinschauen, was ich mache, wie ich es mache“, sagt Kamila Pawlowska. „Deshalb war mir auch immer wichtig, dass ich mich technisch sehr gut auskenne.“ Wofür wiederum der Lehrgang in der Brunnenpassage zentral war.

Damit das auch für andere (leichter) möglich wird, schlüpfen die DJanes – die schon bisher Schnupperworkshops gegeben haben – bald in eine neue Rolle: Sie leiten den DJ-Lehrgang, den die Brunnenpassage ab Jänner anbietet. Wie vor fünf Jahren sollen 20 bis 25 junge Frauen mehrere Monate lang Einblicke ins Auflegen bekommen. Ob daraus ein neues Kollektiv wird? Wird man sehen, meint Ivana Pilić. Geplant war das ja auch vor fünf Jahren nicht.

Auf einen Blick

Brunnhilde ist ein DJane-Kollektiv, das aus sechs Frauen besteht. Gefunden haben diese sich vor fünf Jahren bei einem Lehrgang in der Wiener Brunnenpassage in Ottakring. Die DJanes haben Wurzeln in unterschiedlichsten Ländern – u. a. Polen, Kroatien, Österreich – und legen unterschiedlichste Musik auf: von Balkan über Hip-Hop bis Techno.

Heute feiert das DJane-Kollektiv ab 22 Uhr im Café Leopold im Wiener Museumsquartier seinen fünften Geburtstag. Eintritt fünf Euro, zehn Euro ab Mitternacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2015)

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