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Wien-Wahl: Grüne kommen massiv unter Druck

WIEN-WAHL: WAHLGESCHENKE DER PARTEIEN
(c) APA/WIEN-REDAKTION
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Im polarisierenden rot-blauen Zweikampf, angeheizt durch den Flüchtlingsansturm, geraten nach der ÖVP nun die Grünen deutlich unter Druck. Und könnten am 11. Oktober sogar Verluste einfahren.

Wien. Der Zweikampf in Wien spitzt sich zu. Und er wird von SPÖ und FPÖ vehement forciert, um im Wahlkampffinale jeden einzelnen Sympathisanten zur Wahlurne zu bringen. Immerhin ist laut Meinungsforschern derzeit unklar, welche der beiden Parteien am 11. Oktober als erste durch das Ziel geht.

Der rot-blaue Zweikampf um Platz eins, die Polarisierung (pro und kontra Flüchtlingshilfe) hat auf die kleineren Parteien immer massivere Auswirkungen. Anfangs war es nur die ÖVP, die in Umfragen (auch wegen des erstmaligen Antretens der Neos) auf unter zehn Prozent abgestürzt ist. Auch, nachdem die bürgerliche Ikone Ursula Stenzel zur FPÖ übergelaufen und Heinz-Christian Strache damit für manche unzufriedene Bürgerliche wählbar geworden ist.

Nun trifft es aber die Grünen. Es werden medial erste Umfragen veröffentlicht, die dem kleinen Koalitionspartner am 11. Oktober ein Minus voraussagen. Das wäre für die Grünen eine mehrfache Katastrophe. Erstens gab es kurz vor der Wien-Wahl 2010 Parteispaltungen in den wichtigsten grünen Bezirken, weshalb Maria Vassilakou damals rund zwei Prozentpunkte verlor und nur auf 12,6 Prozent kam. Die grüne Latte für den 11.Oktober liegt somit bei den 14,6 Prozent von 2005, als es noch keine Parteispaltung gab.

 

Geht es Vassilakou wie Voves?

Zweitens unterlief Maria Vassilakou vor einiger Zeit, als die grünen Umfragewerte besser waren, derselbe Fehler wie dem damaligen steirischen Landeshauptmann, Franz Voves. Beruhigt von eigenen Umfragen, kündigte er seinen Rücktritt an, falls er weniger als 30Prozent erreichte. Auch Vassilakou hat ihren Rücktritt im Fall von Verlusten angekündigt. Bei Voves ging der Versuch, per Rücktrittsdrohung Sympathisanten zu mobilisieren, nach hinten los. Bezüglich der Wien-Wahl ist in ÖVP- und SPÖ-Kreisen zu hören: Nach eigenen Umfragen würden „die Grünen nun plötzlich zu erodieren beginnen“. Bei der ÖVP keimt nun Hoffnung auf, unerwartet vor den Grünen zu bleiben.

Drittens müssen bei derartigen Werten die grünen Alarmglocken läuten – gilt die Partei doch als Umfragekaiser, der am Wahltag unter den Umfragewerten liegt.

Die eindringlichen Mahnungen von Maria Vassilakou, Grün-Sympathisanten mögen am 11. Oktober nicht zähneknirschend SPÖ wählen, um Strache zu verhindern, scheint nicht zu wirken – was die Grünen allerdings nicht glauben. Landessprecher Georg Prack gibt sich entspannt: „Mit Umfragen wird gern Politik gemacht. Wir sind konstant über den Werten von 2010.“

Unabhängig davon spitzen SPÖ und FPÖ ihre Inszenierung weiter zu. Am Freitag initiierte die FPÖ den zweiten Sondergemeinderat innerhalb von fünf Tagen. Diesmal mit einem Misstrauensantrag gegen Michael Häupl (den zweiten in Häupls Karriere), um ihn 16 Tage vor der Wahl zum Rücktritt zu zwingen. Der Antrag wurde von Rot-Grün abgeschmettert. Die SPÖ nutzte die ungeplante Sitzung postwendend für Wahlkampfparolen gegen die FPÖ. (stu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2015)