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Die rassistischen Angsthasen

Das Erklärungsmodell ist zum Klischee geworden.

Wer Bedenken gegen uneingeschränkte Zuwanderung äußert, dem wird Angst unterstellt: um den Arbeitsplatz, vor Veränderung, vor dem Fremden. Politiker – und nun auch Kardinal Schönborn „Im Journal zu Gast“ – sagen dann gern, man müsse diese Ängste verstehen, ernst nehmen. Abgesehen davon, dass Angstfreie unfähig sind, Gefahren einzuschätzen, kommt in solchen Äußerungen eine paternalistische Haltung zum Ausdruck, als ob man es mit unbegründeten Sorgen von Kindern zu tun hätte. Nun mögen bei manchen tatsächlich üble Vorurteile oder gar Fremdenhass den Verstand trüben in der Flüchtlingskrise. Doch nicht jeder, der vor offenen europäischen Türen für hunderttausende Migranten warnt, ist ein rassistischer Angsthase, sondern vielleicht einfach nur ein skeptischer Realist, der über den Taumel der sympathischen, hilfsbereiten Willkommenskulturträger hinausdenkt. So sehr die Xenophilie der Xenophobie vorzuziehen ist, auch sie basiert auf Vorurteilen, auf positiven, die schnell enttäuscht werden könnten. Wie wäre es mit einem rationalen, möglichst vorurteilsfreien Zugang?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2015)