Penzing: Der Bezirk, den keiner beim Namen nennt

Weithin sichtbar: Die Kirche am Steinhof in Penzin.
Weithin sichtbar: Die Kirche am Steinhof in Penzin.(c) Clemens Fabry

Viele Wiener denken beim vierzehnten Bezirk vor allem an Hütteldorf. Tatsächlich ist Penzing mehr- größer und grüner: Fast die Hälfte des Bezirks besteht aus Wald. Das Pendlerproblem gibt es immer noch, die Prostitution ist dafür fort.

Dafür, dass er ziemlich groß ist, ist er eigentlich ziemlich unbekannt: Nach Penzing – von seiner Fläche her immerhin der viertgrößte Wiener Bezirk – verschlägt es den durchschnittlichen Wiener nicht oft. Und wenn doch, spricht er selten davon, dass er „nach Penzing“ fährt. Viel wahrscheinlicher ist, dass er „nach Hütteldorf“ muss.

Tatsächlich ist der Bezirksteil Hütteldorf wesentlich bekannter. Nicht nur wegen des Bahnhofs Hütteldorf, sondern auch wegen des Hanappi-Stadions, dem inoffiziellen Wahrzeichen, das derzeit neu gebaut und im Juli 2016 als Allianz-Stadion wiedereröffnen soll.

Dabei ist Penzing kein unbedeutender Bezirk. Viele Pendler kommen auf der Westautobahn oder der Westbahnstrecke täglich durch den Bezirk. Das Verkehrsthema ist deshalb auch eines, das im Vierzehnten immer eine Rolle spielt. FPÖ und ÖVP fordern seit Langem den Ausbau der U4 nach Auhof (oder gleich nach Niederösterreich), um den Pendlerverkehr an der Stadtgrenze abzufangen. Pläne, die die Stadt seit Jahren höflich ignoriert. Auch die seit 2001 amtierende rote Bezirksvorsteherin, Andrea Kalchbrenner, setzt sich nicht für den U-Bahn-Ausbau ein, sondern fordert einen Ausbau der S-Bahn-Intervalle. Neben der S-Bahn (S45) ist Penzing auch an zwei U-Bahnlinien (U3, U4) angebunden. Den Bezirk durchquert man am besten mit der Straßenbahn, dem 52er etwa, der die scheinbar endlos lange Linzer Straße entlangtingelt. Auf dieser Strecke zeigt der Vierzehnte ein paar seiner charakteristischen Seiten: Einige verbliebene Fabriksgebäude, viele Zinshäuser, aber auch Gemeindebauten. Die Erdgeschoßflächen, so sie nicht überhaupt leer stehen: Mäßig einladend. Je weiter stadtauswärts, desto ruhiger (weniger charmant formuliert: uninteressanter) wird es hier. Wobei es zweifellos zu einer „spürbaren Verbesserung“, wie es die Bezirkschefin formuliert, gekommen ist, seit das Prostitutionsgesetz novelliert und der Straßenstrich von der Linzer Straße verschwunden ist. Kalchbrenner will Ideen sammeln, wie man die Leerstände wegbekommen und die Linzer Straße attraktiver machen kann.

Ein bisschen bobo

Dass im ehemaligen Gloriettekino eine Radgeschäft-Kaffeehaus-Fusion einziehen wird, wie es sie auch in Neubau geben könnte, darf man als Zeichen dafür sehen, dass Penzing ein bisschen hipper werden könnte. Ein weiterer Hinweis darauf ist der noch junge Taubenmarkt, der samstags bei der S-Bahn-Station Penzing mit Livemusik und Steckerlfisch abgehalten wird. Und ja, auch in Penzing wird schon gemeinsam gegartelt, im (Matzner-)Park Yoga gemacht oder zusammen eingekocht. Zu verdanken ist das der Initiative Lebenswertes Matznerviertel.

Weiter stadtauswärts wird Penzing dann ziemlich grün: Fast die Hälfte der Bezirksfläche besteht aus (Wiener-)Wald. Weithin sichtbar ist die Kirche am Steinhof von Otto Wagner (selbst ein gebürtiger Penzinger übrigens) auf den Steinhofgründen, die seit Jahren wienweites Thema sind: Gegen die geplante Verbauung macht eine Bürgerinitiative mobil, die Pläne wurden nach langen Mediationsverfahren redimensioniert (und weiter bekämpft). Im ersten Quartal 2016 soll neben der neuen Rehaklinik mit dem Bau von 60 (von insgesamt 140) Mietwohnungen begonnen werden, derzeit läuft das Baubewilligungsverfahren. Bis Ende 2016 wird die Wiener Standortentwicklung (WSE) ein Konzept für die Nachnutzung des Otto-Wagner-Areals ausarbeiten, das derzeit noch vom Krankenanstaltenverbund genutzt wird.

(c) Die Presse

 

Serie: Wiens Bezirke

Bis zur Wien-Wahl am 11. Oktober porträtiert die ''Presse'' nach und nach alle 23 Wiener Bezirke. Die bisherigen Porträts finden sie unter diepresse.com/bezirke

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2015)