Der bestbezahlte Chef: 77,4 Mio. Euro für Wiedeking

(c) AP (Thomas Kienzle)
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Managergagen sind im Schnitt zweistellig gesunken. In Summe haben die Konzerne im Stoxx 50 ihren Chefs im Vorjahr knapp 913 Mio. Euro bezahlt. 2007 waren es 1,2 Mrd. Euro.

WIEN (ag./cim). Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist mit einem Jahresgehalt von 77,4 Mio. Euro der bestbezahlte Manager Europas. Bereits 2007 hat der Chef des Autokonzerns, der mit Milliardenschulden in der Klemme steckt, das Ranking angeführt. Auf Platz zwei folgt Daniel Vasella vom Schweizer Pharmakonzern Novartis mit einer Gage von 13,646 Mio. Euro. Der dritte Platz auf dem Stockerl geht dem „Manager-Magazin“ zufolge an Alfredo Saenz Abad von der spanischen Bank Santander.

In Summe mussten sich die europäischen Konzernchefs aber mit deutlich weniger Geld zufriedengeben. Die Gehälter der Topmanager der Unternehmen, die im DAX oder im europäischen Stoxx gelistet sind, reduzierten sich zweistellig.

Die Chefgehälter der im Stoxx vertretenen Konzerne seien um 18 Prozent gesunken, die der DAX-Manager um 25 Prozent. Ein Stoxx-Vorstandschef hat 2008 im Schnitt 5,7 Mio. Euro verdient, der Topmanager eines im DAX gelisteten Konzerns rund 3,6 Mio. Euro.

In Summe haben die Konzerne im Stoxx 50 ihren Chefs im Vorjahr knapp 913 Mio. Euro bezahlt. 2007 waren es 1,2 Mrd. Euro. Die Vorstandsvorsitzenden der DAX-Konzerne kommen gemeinsam auf 395 Mio. Euro, ein Jahr zuvor haben sie 560 Mio. Euro verdient.

Gehalt kontra Leistung

Peter Löscher, der Chef von Siemens, ist mit 8,54 Mio. Euro auf Platz 14 gelandet und damit in der Erhebung der bestbezahlte Konzernchef aus Österreich.

Bei der Frage, ob die Vergütung der Manager auch ihrer Leistung bzw. dem Erfolg ihres Konzerns entspricht, hat Löscher allerdings schlecht abgeschnitten. Die Lücke zwischen Gehalt und Leistung – gemessen an der Performance an der Börse und der Eigenkapitalrendite – sei bei ihm besonders groß, so die Untersuchung des Magazins in Kooperation mit der Berliner Humboldt-Universität. Gut abgeschnitten haben in dieser Hinsicht der K&S-Chef Norbert Sauer oder Ex-Unilever-Lenker Patrick Cescau.

Topverdiener Wiedeking muss um seine hohen Gehälter der vergangenen Jahre allerdings fürchten. Die Protagon Capital GmbH, eine Gruppe von Aktionären um den Berliner Anwalt Martin Weimann, hält Wiedekings Gehalt für sittenwidrig. Außerdem verstoße es gegen das Aktienrecht, so die Kritiker. Im März wurde eine Klage eingebracht, berichtet das „Manager-Magazin“.

Vertraglich stünden dem Chef von Porsche etwa 0,9 Prozent des Vorsteuerergebnisses zu. Ein Salär in dieser Höhe falle nicht mehr in den Ermessensspielraum des Aufsichtsrates, argumentieren die Kläger. Außerdem, so der Bericht, komme Wiedekings Vertrag einem Teilgewinnabführungsabkommen gleich. Über ein solches dürfe nur die Hauptversammlung entscheiden. Über Wiedekings Vertrag aber entschied der Aufsichtsrat.

Wiedekings Tage als Porsche-Chef könnten ohnehin bald gezählt sein, spekulieren Medien. Der Konzern hat durch die Aufstockung seiner Beteiligung an Volkswagen im Jänner auf knapp 51 Prozent eine Nettoverschuldung von rund neun Milliarden Euro angehäuft. Mittlerweile strebt Porsche die Schaffung eines integrierten Autokonzerns mit VW an. Die Verhandlungen dazu sind aber ins Stocken geraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2009)

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