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Flüchtlingsrückstau in Salzburg

(c) APA/BARBARA GINDL
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Salzburg will für Flüchtlinge, welche an der Grenze zu Deutschland warten, bessere Bedingungen schaffen. Berlin dementierte den Stopp von Sonderzügen.

Salzburg/Berlin. Stadt und Land Salzburg wollen mit den Einsatzorganisationen die Versorgung der Flüchtlinge, die an der Saalachbrücke vor Freilassing auf die Grenzkontrolle warten, verbessern. Man werde die Infrastruktur verstärken, hat es Sonntagmittag nach einer Besprechung geheißen.

Davor hatte es Verwirrung um die Flüchtlingssonderzüge nach Deutschland gegeben. Zuletzt wies Berlin am Sonntag Meldungen zurück, wonach vorerst Sonderzüge gestoppt würden.

Rotes Kreuz und Caritas hatten am Samstagabend von einer „sich ankündigenden humanitären und sanitären Katastrophe“ in Salzburg gesprochen. Welche Maßnahmen nun konkret gesetzt werden sollen, werde in weiteren Besprechungen des Einsatzstabs geklärt, hat am Sonntag Thomas Kerschbaum, Sprecher von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP), gesagt.

Am Sonntag warteten weiter hunderte Menschen auf die Grenzkontrollen. In der alten Autobahnmeisterei unweit der Grenze befindet sich ein Notquartier mit circa 500 Betten. Dieses Quartier wird aber nur zögerlich angenommen, weil viele Flüchtlinge zu Fuß in Richtung Deutschland aufbrechen. Vor der Grenze gibt es auch im alten Zollgebäude auf österreichischer Seite eine Notstruktur mit Sanitätseinrichtungen.

Auf dem Salzburger Bahnhof hatte sich die Situation am Sonntag leicht entspannt. Ein Sonderzug mit 421 Personen verließ zu Mittag die Stadt in Richtung Deutschland. 400 Flüchtlinge wurden indessen mit sieben Bussen nach Oberösterreich gebracht. Für den Abend war ein weiterer Sonderzug für 400Menschen geplant.

Unabhängig von der Entwicklung des Zugverkehrs müsse Salzburg aber auf jeden Fall die Versorgung der Menschen vor der Grenze verbessern, sagt Karl Schupfer vom Informationszentrum der Stadt. Salzburg hatte zuletzt auch vorgehabt, die zum Notquartier umfunktionierte Tiefgarage beim Bahnhof zu leeren. Am Sonntagnachmittag befanden sich dort noch 200 Personen. Die Garage soll heute, Montag, gereinigt und desinfiziert werden, um weiter genutzt werden zu können.

Indes hat die Berliner Senatsverwaltung mitgeteilt, dass heute, Montagvormittag, elf Uhr, ein Sonderzug aus Salzburg mit 450Menschen in der Hauptstadt erwartet werde. Wegen der von Deutschland wieder eingeführten Grenzkontrollen zu Österreich ist der reguläre Zugverkehr auf der Strecke Salzburg–München seit dem 17.September unterbrochen.

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Österreich hielt jedenfalls auch am Sonntag an. Im Burgenland trafen nach Schätzungen der Polizei bis zum späten Vormittag etwa 5000 Menschen ein. Von Mitternacht bis sieben Uhr hatten rund 3500 Personen die Grenze überschritten. Am Vormittag kam dann ein weiterer Zug mit 1500Menschen im ungarischen Grenzbahnhof Hegyeshalom an.

 

17.000 Grenzübertritte

Am Samstag hatten 12.000 Flüchtlinge das Burgenland erreicht. An dem Wochenende gab es somit etwa 17.000 Grenzübertritte. Am Samstag waren etwa 3000 Personen von Nickelsdorf aus mit Bussen und Zügen in Transitquartiere gebracht worden. Viele Flüchtlinge nahmen auch Taxis in Anspruch.

Ungefähr 300 Flüchtlinge aus Kärntner Notquartieren sollten noch am Sonntag nach Kufstein in Tirol verlegt werden. 100 Personen aus der Unterkunft am Klagenfurter Südring waren am Nachmittag bereits in zwei Bussen unterwegs, sagte Polizeisprecher Markus Dexl. Die 200 Verbliebenen befanden sich am Nachmittag noch im Transitquartier in Villach. In der Früh waren 360 Flüchtlinge in Villach angekommen. Einige von ihnen sind im Lauf des Sonntags selbstständig mit regulären Zügen nach Salzburg weitergereist. (red./APA)

AUF EINEN BLICK

Flüchtlinge. Der Strom der Flüchtlinge nach Österreich hielt am Wochenende an. Bis Sonntagmittag überschritten um die 5000 Menschen die ungarisch-österreichische Grenze. Am Samstag hatten 12.000 Menschen das Burgenland erreicht. Viele von ihnen wurden nach ihrem Eintreffen in Transitquartiere gebracht. Unklarheit herrschte am Sonntag über einen möglichen Stopp der Flüchtlingssonderzüge nach Deutschland. In dieser Sache dürften heute, Montag, Entscheidungen getroffen werden. Zuletzt wurden bis zu 1200 Menschen täglich nach Deutschland gebracht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2015)