Kolumne "Karrierewege". Ein teurer MBA bewirkt hierzulande selten einen Gehaltssprung. Mittelfristig verleiht er der Karriere dennnoch einen Schub.
Voller Stolz präsentierte der frisch gebackene Executive MBA-Absolvent dem Personalchef sein druckfrisches Diplom. Der Personalmanager streckte seine Hand aus und meinte aufrichtig: „Herzlichen Glückwunsch!“
Überrascht erwiderte der MBA: „Ich hatte mir eine andere Handbewegung erwartet“, und deutete auf seine offene Handfläche in Erwartung einer kräftigen Gehaltserhöhung. „Nein, nein, es stimmt schon so“, bekräftigte der Personalchef gelassen. „Mit Ihrem Diplom sind Sie nun in der Lage, Ihren Job noch besser zu machen. Eine Gehaltsanpassung nur für Ihren Abschluss gibt es von uns nicht.“
Mit dieser Erfahrung ist der junge Manager nicht allein: Die meisten Personalchefs hierzulande gewähren kein höheres Gehalt für den Abschluss einer Ausbildung, nicht einmal für einen Executive MBA einer renommierten, internationalen Business School. Was in der Gehaltsverhandlung zählt, sind eine bessere Leistung und ein größerer Verantwortungsbereich, aber nicht die höhere Ausbildung.
Anders als etwa in Frankreich, wo ein MBA an einer der Grandes Écoles die Eintrittskarte für eine Position im höheren Management bedeutet, wird der MBA von vielen Personalmanagern im deutschsprachigen Raum als interessante Bereicherung des Lebenslaufs, aber nicht als notwendige Sprosse auf der Karriereleiter, geschweige denn als Grund für einen regelrechten Gehaltssprung angesehen.
Wer einen Executive MBA mit der Erwartung beginnt, dass nach dem Abschluss die Headhunter der Reihe nach anrufen werden, wird meist enttäuscht. Entweder unterstützt der Arbeitgeber die Ausbildung durch Freizeit oder eine Beteiligung an den Studiengebühren, die meist ein paar Zehntausend Euro betragen, oder die Investition in das postgraduale Studium wird vom Chef als reines Privatvergnügen angesehen.
Auch außerhalb des MBA gibt nur wenige Ausbildungen, die unmittelbar zu einem deutlich höheren Gehalt und einem weiteren beruflichen Aufstieg führen. Dazu zählen unter anderem die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter oder im handwerklichen Bereich die Meister- bzw. Werkmeisterprüfung. Häufig bleibt ein Abschluss, selbst an einer Hochschule, ohne kurzfristige Folgen für den Gehaltszettel des Absolventen.
Mittelfristig lohnt sich jedoch eine zusätzliche Ausbildung für die meisten Absolventen. Die Chancen auf Beförderung oder auf einen neuen Job steigen mit besserer Qualifikation. „Aber das Wichtigste ist“, meinte der MBA-Absolvent, „dass ich bei meinem Studium viele neue Fähigkeiten erworben habe. Ich kann zum Beispiel besser mit Druck und Stress umgehen, kann mich besser selbst organisieren und habe gelernt, dass andere auch nur mit Wasser kochen.“
Mit dem neu gewonnenen Selbstvertrauen fällt es vielen Absolventen leichter, sich beruflich in eine Richtung zu verändern, die besser zu ihnen und ihrer neuen Qualifikation passt, sei es innerhalb des Unternehmens oder außerhalb. Im Schnitt verdienen daher MBA-Absolventen mehr als andere Akademiker. Aber für die meisten kommt der Karriereschub nicht von allein.
Conrad Pramböck ist Berater und Speaker zu Gehalts- und Karrierethemen. Er leitet bei der Personalberatung Pedersen & Partners den Geschäftsbereich Compensation Consulting.
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