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Militärallianz zur Rettung Assads

SYRIA
(c) APA/EPA/SYRIAN ARAB NEWS AGENCY

Russlands Präsident Putin drängt die USA weiter ins Abseits. Moskau intensiviert die Luftangriffe auf syrische Rebellen. Der Iran entsendet hunderte Soldaten, die mit russischer Hilfe eine Offensive starten sollen.

Wien/Washington. Die militärische Mission zur Rettung des Regimes von Bashar al-Assad läuft auf Hochtouren. Am Donnerstag flog die russische Luftwaffe erneut Angriffe gegen verschiedene Rebellengruppen in Syrien. Zugleich bereitet der Iran offenbar eine neue Offensive zur Unterstützung des syrischen Machthabers Assad vor. Nach libanesischen Angaben hat der Iran hunderte Soldaten für eine bevorstehende Bodenoffensive gegen Gebiete der Aufständischen im Norden Syriens entsandt. An den Operationen will sich auch die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah beteiligen. Laut libanesischen Quellen soll die Offensive von der russischen Luftwaffe unterstützt werden.

Russlands Führung hat offenbar noch weitgehendere Pläne: Laut Außenamt in Moskau sei man zu Angriffen auf die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) im Irak bereit, wenn man von Bagdad gebeten werde. In Bagdad haben irakische, iranische und russische Offiziere bereits einen gemeinsamen Militärstab eingerichtet. Die Einsatzermächtigung, die das Parlament in Moskau am Mittwoch den russischen Streitkräften gab, ist auch auf kein bestimmtes Land beschränkt: Darin ist von Operationen „außerhalb Russlands Grenzen“ die Rede.

Putin hat erkannt, dass ihm die Plan- und Mutlosigkeit von US-Präsident Barack Obama in der syrischen Frage eine neue Gelegenheit eröffnet hat, sich als Schwergewicht in den Ring der Weltpolitik zu stellen. Die Luftangriffe seiner Piloten auf syrische Rebellen sind die logische Folge von Putins Gespür für Chancen des Augenblicks. Von den Amerikanern fühlt er sich nicht gehemmt: Eine Stunde vor dem Start des ersten Jagdbombers von der russischen Basis im westsyrischen Latakia teilte ein russischer Militärattaché der US-Botschaft in Bagdad am Mittwoch formlos mit, dass Russland Einsätze zu fliegen beginne und die USA auf der Stelle den syrischen Luftraum zu verlassen hätten.

 

USA sind über Russland verärgert

„Ich habe seit Langem mit ihnen zu tun. Und das ist nicht die Art von Verhalten, das wir professionellerweise vom russischen Militär erwarten“, machte US-Verteidigungsminister Ash Carter Stunden später bei einer Pressekonferenz seinem Ärger Luft. „Den Islamischen Staat zu bekämpfen, ohne einen politischen Übergang voranzutreiben, erhöht das Risiko, den Krieg eskalieren zu lassen und damit genau den Extremismus und die Instabilität, die Moskau zu bekämpfen vorhat. Dieser Zugang ist, als gieße man Öl ins Feuer.“

Zumal die Angriffe zunächst offenbar keine Stellungen des IS trafen, sondern die gemäßigterer Rebellen, die von den USA unterstützt werden. Die „New York Times“ zitiert Jamil Saleh, Kommandanten einer Rebellengruppe, die bei der Stadt Hama kämpft und dafür von den USA mit Tow-Panzerabwehrraketen beliefert wurde. „Wir stehen an der Front mit Assad. Wir haben keine Verbindung zum IS. Der IS ist zumindest 100 Kilometer von dort entfernt, wo wir sind.“ Acht seiner Männer seien am Mittwoch bei dem russischen Angriff verletzt worden.

Westliche Militäranalysten wollen derweil anhand von Videos, die aus russischen Jets gefilmt und von Moskau veröffentlicht wurden, bemerkt haben, dass Bomben ihre Ziele klar verfehlten. Möglicherweise seien keine lasergelenkten Präzisionsbomben eingesetzt worden, was die Gefahr von Kollateralschäden erhöht; oder die Angriffe seien danebengegangen. (go, w. s., wg)

Analyse von russischem Luftangriffsvideo: www.diepresse.com/bomben

AUF EINEN BLICK

Russland setzte am Donnerstag seine Luftschläge gegen syrische Rebellen fort. Syriens Opposition klagt, dass die Angriffe nicht – wie von Moskau behauptet – den Extremisten des Islamischen Staates (IS) gegolten haben. Vielmehr seien Rebellen bombardiert worden, die mit US-Hilfe gegen Assad und den IS kämpfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2015)