Hip-Hop-Meister Kendrick Lamar preist sie als „the illest“: Simbi Ajikawo alias Little Simz, geb. 1994 in London, nennt ihr erstes Album „A Curious Tale of Trials + Persons“.
Little Simz: »Gratitude«. Wie durchlässig ist die Gesellschaft? Wie kommt man hinauf? Gibt es gläserne Decken, für Schwarze oder für Frauen? Diese Fragen gehören seit jeher zum Themenkatalog des Hip-Hop, der Gangsta-Rap behandelt sie eben in Form von Prahlerei. Little Simz geht sie subtiler an: Erst ist sie die glückliche Aufsteigerin („I'm chosen“, „I'm expanding“, „I'm floating“), erhoben über die Masse („Broken homes is all they know“). In der zweiten Strophe, eingeleitet durch sanfte Störgeräusche, grübelt sie, dass es auch anders hätte kommen können: Sie sieht sich daheim mit den Kindern, um die sich deren Vater nicht kümmert . . . Im Refrain singt ein engelhafter Soul-Chor: „I'm crawling up these walls, but they won't come down.“ Durch den ganzen Track geistern Beats wie flüchtige Träume, passagenweise fällt der Rhythmus ganz aus, ersetzt durch eine ätherische Gitarre. Umso wilder fließen dann die Worte. Fantastisch.
Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Philipp L'Heritier (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2015)