Schnelle Autos, schnelles Geld

Ein drohender heftiger Kursverfall bei VW lässt Raum für Spekulationen.

Die Produkte der Firma Volkswagen mögen immer noch ein vergleichsweise biederes Image haben, die Aktien des VW-Konzerns aber mit Sicherheit nicht: Sie sind seit Monaten dasZockerpapier in Deutschland. Spätestens seit vergangenem Herbst, als ein sogenannter „Short Squeeze“ den Kurs kurzzeitig auf über 1000 Euro getrieben und einige Spekulanten um Milliardenvermögen gebracht hat, gilt der heiße Streit der Familien Porsche und Piech um Einfluss beim jeweils anderen als die Gelegenheit, schnelles Geld (oder, beim Danebentippen, schnellen Totalverlust) zu machen.

Die nächste Gelegenheit kommt bald: Am 19. Juni, zum nächsten „Hexensabbat“ an der deutschen Börse, laufen rund 670.000 Put-Optionen auf VW-Stämme aus. Die meisten lauten auf Ausübungskurse um die 130 Euro, derzeit notiert VW bei knapp 210. Beobachter gehen davon aus, dass der Kurs von den potenziellen „Opfern“ auf jeden Fall bis dahin „hochgepflegt“ wird, dass er danach aber rasant in Richtung seines „fairen Wertes“ auf deutlich unter 100 Euro fällt. Denn derzeit ist fast ein Viertel der VW-Aktien durch die Puts blockiert – danach kämen sie auf den Markt.

Eine Riesenchance, mit einer Spekulation auf Kursverfall (etwa durch länger laufende Put-Optionsscheine) ein bisschen Zusatzkasse zu machen. Allerdings wirklich nur mit einem kleinen Anteil. Denn fix ist im Intrigantenstadel der Familien Piech und Porsche gar nichts. In Streubesitz befinden sich relativ wenige Aktien, sodass gezielter „Kurspflege“ Tür und Tor geöffnet ist. Und gerade bei Derivaten ist das Geld schneller weg, als man schauen kann – wenn es in die falsche Richtung geht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2009)


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