Wie man sich mithilfe der Exchange Traded Funds ganze Börsenindizes kauft und warum Staatsanleihen jetzt riskant werden.
Die Aktienmärkte laufen seit Mitte März wie zu besten Bullenzeiten und zeigen auch noch wenig Ermüdungserscheinungen. Aber viele Anleger, die sich in der Krise die Finger verbrannt haben, zögern mit dem Wiedereinstieg. Nicht zuletzt deshalb, weil man sich selbst in solchen Phasen mit Einzelwerten noch ganz schön in die Nesseln setzen kann. Mit ATX-Werten etwa waren seit Jahresbeginn 116 Prozent Gewinn mit Bwinebenso möglich wie 16 Prozent Verlust mit Wienerberger.
Wer Angst hat danebenzugreifen, kann sich in Zeiten steigender Märkte aber auch gleich einen ganzen Index kaufen. Etwa über Indexfonds, Zertifikate oder Exchange Traded Funds (ETF). Das hat den Nachteil, dass man mit Sicherheit keinen „Tenbagger“ (also eine Aktie, deren Kurs sich verzehnfacht) erwischt. Aber den Vorteil, dass man auf jeden Fall die Marktperformance einsackt.
Letzteres ist nicht so selbstverständlich: Die meisten Aktienfondsmanager schaffen es nicht, über längere Zeit hinweg gleich gut wie der zugrunde liegende Börsenindex zu sein oder diesen gar zu übertreffen.
Besonders interessant für Anleger, die auf jeden Fall die Marktperformance haben wollen, ist das hierzulande noch wenig gebräuchliche Instrument der ETF. Die haben ein paar entscheidende Vorteile: Sie werden an den Börsen gehandelt und sind deshalb sehr flexibel handelbar. Und sie sind normalerweise deutlich spesengünstiger als gemanagte Fonds. Rechnen muss man mit einer Managementgebühr, die normalerweise unter einem Prozent beträgt, und dem Spread zwischen An- und Verkaufskurs, der normalerweise im unteren Zehntelprozentbereich liegt.Dazukommen noch die Maklerprovision beim An- und Verkauf (die bei Internetbrokern allerdings auch sehr niedrig ist) und eventuelle Rebalancing-Kosten, weil Indizes ja von Zeit zu Zeit umgebaut werden.
Eine Reihe solcher ETF sind in Österreich zum Vertrieb zugelassen und einige notieren auch an der Wiener Börse. Dort sind vor allem die Barclays-Tochter iShares (mit Index-Fonds) und die ABN-Amro (mit Branchen und Regionenfonds etwa für Landwirtschaft, Metalle, Russland, Afrika und Asien) vertreten. Allerdings: Das Handelsvolumen in Wien ist noch relativ gering.
ETF sind vor allem dort ein guter Tipp, wo Märkte zum Aufschwung ansetzen, Investments in Einzeltitel aber mangels ausreichenden Informationsflusses nach Europa zu riskant sind. Da tippen Experten derzeit auf Taiwan (wo der Aufschwung früher als in Europa einsetzen dürfte) und auf die arabischen Golfstaaten, die in der Krise zu tief in den Keller geprügelt wurden und vom wieder ansteigenden Ölpreis raschprofitieren dürften. iShares zum Beispiel hat kürzlich einen ETF namensMSCI Taiwan(ISIN DE000A0HG2K5) aufgelegt. An der Entwicklung der Golfstaaten (ausgenommen Saudiarabien) kann man unter anderem mit dem ISHSIII-MSCI GCC Countries ex Saudiarabia(ISIN: DE000A0RM470) teilhaben. Der Schwerpunkt liegt nicht in der Ölbranche, sondern in Finanztiteln.
Aufpassen müssen jetzt Anleger, die sich vor den nach wie vor unsicheren Aktienmärkten in den „sicheren Hafen“ Staatsanleihen flüchten wollen: Es gibt immer mehr Experten, die in diesem Sektor eine gewaltige Blase orten. Auf dem Sekundärmarkt sind die Kurse schon sehr hoch, wer dort jetzt zuschlägt, zahlt also sehr viel für seine „sicheren“ Papiere. Und könnte in einigen Jahren auf ordentlichen Kursverlusten sitzen. Denn die Industrieländer haben durch die Krise sehr hohen Neuverschuldungsbedarf (es geht um tausende Milliarden), den sie durch die Emission neuer Staatsanleihen decken. Der starke Anstieg der Staatsverschuldung bringt die AAA-Ratings wichtiger Staaten in Gefahr – und wenn die zu wanken beginnen, dann ist mit heftigen Kursabschlägen zu rechnen. Am schlimmsten sind dann Besitzer von US-Anleihen dran, weil dann ja auch der Dollar weiter unter Druck gerät. Aber auch in Europa gibt es da einiges an Verlustpotenzial.
Natürlich kann man Staatsanleihen auch bei der Emission kaufen und bis zum Schluss halten. Dann ist der Sekundärmarktkurs egal – aber das in einigen Jahren erwartete Anspringen der Inflation würde die (derzeit niedrigen) Zinsen wegfressen. Ein Geschäft werden Staatsanleihen jetzt nur noch, wenn ein richtiges Deflationsszenario eintritt. Und das sehnt sich wohl niemand herbei.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2009)