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"Elefantenrunde" zur Wien-Wahl: Vier gegen Strache

Die Teilnehmer vor der
Die Teilnehmer vor der "Elefantenrunde"APA
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Nachlese Kaum neue Positionen, dafür viel Aktionismus beim großen Fernsehduell der Spitzenkandidaten vor der Wien-Wahl. Von Kasnudeln und Zwangsehen.

Wien. Wenn fünf sich streiten. So lässt sich das Konzept einer TV-Sendung auf die grundlegende Botschaft herunterbrechen, die als „Elefantenrunde“ angekündigt wird. 90 Minuten, in denen die Spitzenkandidaten für die Wiener Gemeinderatswahlen von SPÖ, FPÖ, ÖVP, Grünen und Neos in den Wiener Sofiensälen ihr Programm abspulen. Und bei dem vor allem zu Beginn die Verhältnisse sehr klar sind: Es kämpfen Vier gegen Strache. Beim Eingangsthema Asyl und Integration wird der FPÖ-Chef von allen Seiten attackiert.

„Sie sind immer beim Hetzen Erster, beim Helfen Letzter“, wirft Grünen-Chefin Maria Vassilakou ihm vor. Und SP-Bürgermeister Michael Häupl fühlt sich gar genötigt, ein Taferl auszupacken – das mittlerweile fast schon ikonische Bild der Flüchtlingsfamilie, die vor dem Flüchtlingsheim in Erdberg von FP-Politikern mit „Nein zum Asylantenheim“-Schildern begrüßt wird. „Sagen Sie nicht, ich bin charakterlos“, antwortete Häupl auf Strache, der dem Bürgermeister ein Zitat vorwirft: „Ich sage nicht wie Strache zu Kindern, geht zurück und lasst euch vom IS erschießen.“ Das habe er, Strache, nie gesagt, das Zitat sei charakterlos. Und weiter: „Wenn es um den Charakter geht bin ich der Sieger.“

Ansonsten finden sich vor allem Wahlkampfappelle: Da spricht Maria Vassilakou vom „angeblichen Duell“ zwischen SPÖ und FPÖ – „Ich kann jetzt schon verraten wie es ausgehen wird. Häupl wird Bürgermeister“, Strache dagegen werde nach der Wahl den Flug nach Ibiza antreten. Es gehe also darum, die Grünen zu stärken. Sogar VP-Chef Manfred Juraczka pflichtet ihr bei: „Wir wissen alle, dass mit Umfragen gern Politik gemacht wird.“ Es werde ein Duell ausgerufen, das es in diese Form nicht gebe. Seine Schlussfolgerung: Man müsse die ÖVP wählen.

„Wunsch nach Veränderung“

Neos-Spitzenkandidatin Beate Meinl–Reisinger rechtfertigt eine Stimme für ihre Partei mit dem „Wunsch der Menschen nach Veränderung“: „Wir stehen vor großen Herausforderungen, aber die Politik ist faul, aufgebläht und korrupt geworden.“ Und wieder ein Seitenhieb in Richtung FPÖ: „Das treibt Wähler in die Arme von Strache.“

Selbst FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gibt zu: „Wenn die FPÖ stärkste Kraft wird, wird sich nichts ändern. Es wird weiter Rot-Grün geben.“ Schließlich wollten die Grünen die Macht der SPÖ einzementieren. Und sein Plädoyer: „Veränderung ist möglich nur mit einer Stimme für die FPÖ.“

Inhaltlich werden bekannte Positionen verarbeitet. Und aktionistisch unterfüttert. Da zieht Vassilakou einen Euro hervor, um den Preis für die Jahreskarte zu symbolisieren, die auf Initiative der Grünen 365 Euro pro Jahr – einen Euro pro Tag – kostet. Gleich 400 Euro holt VP-Chef Juraczka aus der Tasche, um die Summe zu zeigen, die eine Wiener Familie pro Jahr mehr zu bezahlen habe, seit Rot-Grün an der Macht ist. Immerhin widersteht Beate Meinl-Reisinger der Versuchung, echte Kasnudeln hervorzuzaubern – zum Thema Bürokratieabbau erzählt sie von einem jungen Mann, dem das verfilzte Wiener Marktwesen verunmögliche, einen Stand für Kasnudeln aufzumachen.

Und sonst? Heinz-Christian Strache würde Demonstrationen wie „Rasen am Ring“ abschaffen. „Spaß-Demos“ müssten nicht am Ring abgehalten werden. Häupl wirft dem FP-Chef daraufhin vor, dass er die Demonstrationsfreiheit einschränken wolle. Juraczka kommt auf eine Zielgruppe seines Wahlkampfs – und wirft Vassilakou vor, dass sie kein Mitleid mit Autofahrern habe. Die antwortet, sie habe sehr wohl Mitleid mit Menschen, die im Stau stehen. Deshalb sei es wichtig, öffentliche Verkehrsmittel zu fördern. Meinl-Reisinger klagt dann, dass Wien unter einem korrupten System leide – mit einem Taferl. Die Ausgaben für Werbung, so meint sie, seien in Wien am höchsten. Häupl kontert: „Wenn alles so korrupt ist, dann gehen Sie zum Staatsanwalt.“

Bei der Körpersprache wird vor allem eines deutlich: Vier sind im Angriff, einer in der Defensive. Schon beim Fototermin vor der Veranstaltung haben vier Akteure die Hände brav über der Gürtellinie ineinander gelegt, wie man es schon im Rhetorik-Seminar lernt. Nur Häupl hat die Hände in den Hosentaschen. Die betonte Lässigkeit, manche nennen es Arroganz, des Bürgermeisters setzt sich auch später fort: Alle sitzen nach vorne gebeugt, nur Häupl lehnt lässig an der Sessellehne. Was seiner Rolle im Wahlkampf entspricht – jener des Patrons, der die Selbstsicherheit des roten Wien ausstrahlt. Und der gelegentlich noch von einer absoluten Mehrheit träumt.

Häupl gegen Zwangsehen

Am Ende geht es noch um mögliche Koalitionen: Häupl schließt erneut Rot-Blau aus. „Wir beide sind gegen Zwangsehen“, sagt er in Richtung Strache. Alles andere müsse der Wähler entscheiden. Strache wiederum: „Wenn man etwas ändern will, dann nur mit der FPÖ.“ Vassilakou bittet, mit einer Stimme für die Grünen „Rot-Grün“ abzusichern. Meinl-Reisinger und Juraczka fordern wiederum eine Stimme für sich – auch nicht sehr überraschend.  (eko)

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